Wintermärchen im Norden Schwedens

Was für ein Abenteuer! Januar in Nordschweden: Minusgrade bis an -40º Grad Celsius keine Seltenheit. Hunde, die einem ans Herz wachsen und vor Energie nur so brennen. Eine Natur, die trotz der kurzen hellen Tageszeit alles Unvorstellbare gibt und den Besucher alles andere vergessen läßt. Nordlichter, die sich unvergeßlich auf die Gehirnrinde brennen. Natur und Einfachheit, die zum totalen Luxus wird – ohne Internet, Strom und dafür Romantik pur.

Laß mich von vorne beginnnen: auf meiner „bucket list“ stand immer die Schlittenhundefahrt ganz oben auf der Liste. Das Ziel war schnell gefunden: Kiruna, Nordschweden! Das mußte es werden.

Kiruna liegt im historischen Lappland und auf einer Fläche von etwas mehr als 20.000 km2 leben gerade mal knapp 23.200 Menschen, sprich in anderen Worten 1,1 Einwohner pro km2. Kiruna, der Hauptort dieser Provinz ist für seine riesigen Erzvorkommen bekannt. Aufgrund der Bodenschäden durch Minenarbeiten sind jedoch viele Häuser unbewohnbar gemacht und so beschloss man 2007 den ganzen Ort um 5 km weiter östlich des jetzigen Stadtkerns zu verlegen. Bis 2040 muss dieser Umzug abgeschlossen werden und auch eine wunderschöne alte Holzkirche wird in alle Einzelbestandteile zerlegt und original getreu wieder aufgebaut.

Unweit von Kiruna ist die Gemeinde Jukkasjärvi und hier liegt ein wenig versteckt die Hundefarm, von der meine Tour losgehen sollte. Kaum am Spätnachmittag in der Dämmerung angekommen, wurde ich ich kurz meiner Hütte für die erste Nacht zugeteilt, denn schließlich sollte es am anderen Morgen zeitig losgehen. Marcus, der Hunde- und Gruppenführer, auch „The legend“ genannt, nahm seine Aufgabe nicht nur unendlich ernst, sondern brachte alles mit, was man in der Wildnis nur so braucht: guten Verstand für Hund und „Herrchen“, klare Ansagen, Kochkünste, die mich trotz instant food wirklich überraschten und einen guten Orientierungssinn, ohne den es wirklich gar nicht geht. Das wichtigste und beste an ihm ist jedoch seine Liebe zu dem Flecken Erde, auf dem er sich zuhause fühlt.

Die recht ungleiche Truppe von insgesamt sechs Reisewilligen entpuppte sich als absoluter Garant für unglaublich viel Spaß, Teamgeist und echte Bereicherung. Eine Schweizer Polizistin mit ihrem charmanten Lebensgefährten, der als Tischler alle Handfertigkeiten mitbrachte, die man in der Wildnis so gebrauchen kann. Eine liebenswürdige Engländerin, die alles andere als abenteuerlustig ist und nur ihrem Mann zu Liebe diese Reise gebucht hatte. Dieser nun wiederum stellte sich als Klempner vor, allerdings mit einer „gewissen“ Vorgeschichte. Eines Abends klärte sich nämlich seine unglaubliche Freude an besonderen Überlebenstrainings auf. Patrick, ein unglaublich amüsanter und warmherziger Mensch mit fantastischem schwarzem Humor, hatte im Irak Krieg gedient und zwar bei einem Spezialeingriffskommando. Und dann waren da noch wir zwei, meine beste Hälfte und meine Wenigkeit.

Am ersten Abend wurde alles für die Tour organisiert und besprochen, unter anderem das Maximal- oder besser gesagt Minimalgepäck, was jeder einzelne mitnehmen konnte für die folgenden Tage. Jeder bekommt nämlich seinen eigenen Schlitten mit 4 Hunden und die müssen dann nicht nur die Person, sondern auch Proviant für Tier und Mensch, sowie Gepäck schleppen. Ergo, nicht mehr als 5 Kilo Gepäck in der Tasche! Für mich eine echte Herausforderung, denn die Kamera wollte ja schließlich auch nicht mit. Danach wurden besondere warme Overalls, Boots und Handschuhe ausgesucht nach der jeweiligen Größe. Schließlich organisierte sich jeder in seiner Hütte und ein letztes Mal wurden die Batterien noch einmal voll aufgeladen. Mein privater Tipp: viele Ersatzbatterien dabei haben und die man möglichst direkt am Körper trägt, um die Lebenszeit der Batterien solange wie möglich zu erhalten. Dann noch ein Gang zu den Hunden, die im Camp in kleinen Gruppen in ihren Minigehegen untergebracht waren. Und Schluß endlich machte sich jeder mit den Begebenheiten der nächsten Tage schon mal vertraut: Plumpsklo und spartanische Hütten mit dicken Schlafsäcken.

Am nächsten Morgen ein kurzes Briefing zum Thema: wie bremse ich den Schlitten und wie lege ich Geschirr bei den Hunden an, was tue ich, wenn sich die Hunde im Geschirr verheddern und und und. Nach einer knappen halben Stunde war alles besprochen und es konnte losgehen. Was für ein Gefühl, wenn man zum ersten Mal die Kraft der Hunde spürt. Irre!

Die Winterlandschaft versetzt mich regelrecht in einen Rausch. Kaum hab ich mich an das Manövrieren des Schlittens gewöhnt, versetzen mich die engen Loipen durch den Wald, auf denen ich dahingleite, in regelrechte Verzückung.

Das erste Mittagessen im Schnee steht nach ca. 2 Stunden an und dazu muss erst einmal eine größere Kuhle frei geschaufelt werden, das Lagerfeuer angezündet und das Essen gemacht werden. Kein geringerer als der Chef persönlich kümmert sich um die richtige Mixtur und so geniessen schon innerhalb kürzester Zeit ein warme Instantsuppe zu unserem selbstgemachten Sandwich vom Morgen und als krönender Abschluss erwartet uns entweder ein Kaffee oder ein Tee, ganz nach freier Wahl. Unglaublich wie einfach man seine Sinne befriedigen kann.

Am Nachmittag erreichen wir unsere Hütte und nun sind erst einmal die Hunde an erster Stelle: Geschirr ablegen und die Hunde an weitläufigen Ketten sichern. Jedes Team von 4 Hunden wird vom jeweiligen Schlittenführer versorgt und das bleibt während der gesamte Zeit unverändert. Dann werden die Hundesnack vorbereitet, sprich aus den gefrorenen Hundefleischplatten, die sich auf unseren Schlitten befinden, werden kleine Stücke gehackt und gerecht unter allen Hunden verteilt. Dann machen wir uns daran, das Gepläck abzuladen und alles in die Hütte zu bringen. Als nächstes wird Feuer in den Öfen gemacht, sprich für die Schlafräume, die Küche und ganz wichtig: die Sauna! Alle Öfen werden angeheizt mit Holz, das Gott sei dank vor der Hütte vorbereitet ist. Dann organisieren wir Wasser. Das gibt es immer nur ausserhalb der Hütte, entweder ist in der Nähe ein kleiner Bach oder es muss ein Loch in einen nahe gelegenen See gehauen werden, um dann die Kanister zu füllen und mühselig zur Hütte zurückzuschleppen. Kaum ist das Wasser heiss, sind wieder die Hunde an erster Stelle. Nun bekommen sie ihre Hundesuppe, Klumpen der geeisten Futterplatten werden mit warmen Wasser verrührt, so dass die Hunde auch Flüssigkeit zu sich nehmen können.

Erst dann ist Zeit für unser Abendessen und den Saunagang. Sauna kann so ein fantastisches Erlebnis nach einem anstrengenden, kalten Tag sein und so sauber wie nach einer Sauna kann man sich einfach nicht nach einer Dusche fühlen. Die Dusche finde ebenso in der Sauna am Abend statt, denn hier stehen die Öfen auf dem Saunaofen, die gemütlich während unseres Schwitzen das Wasser aufheizen. Nach dem Saunieren schöpft man lediglich etwas heisses Wasser aus diesem Kübel ab, vermischt es im Nassbereichs vor der Sauna mit kaltem Wasser und schon hat man eine Dusche. Was für ein tolles Gefühl nun aufgewärmt und sauber zu sein. Jetzt kann der gemütliche Teil des Tages beginnen bei Abendbrot und vielen interessanten Gesprächen. Für die Stimmung sorgen lediglich Kerzen und Menschen, die ohne Smartphone und Co. wieder konzentriert in der Unterhaltung ankommen. Mein Gott haben sich in dieser Woche tolle Gespräche entwickelt!

Mit etwas Glück erlebten wir Abends einige Male das tolle Erlebnis die Nordlichter, Aurora borealis, am Firmament zu sehen. Einfach nur spektakulär! Und gepaart mit den wahnsinnigen Eindrücken der Huskies so nah und eine Natur, die in allen Facetten nur so verzaubert, ging die Woche wie im Flug um und nach einem weiteren Tag in Kiruna ging es dann auch wieder nach Hause.

Fazit: Definitiv ein Muss für alle unkonventionellen Naturliebhaber mit guter Kondition und der Bereitschaft sich auf ein Abenteuer einzulassen.

 

Die Adresse, die ich persönlich nur empfehlen kann und über die ich diese Tour gebucht hatte, ist nur ein Klick entfernt, nämlich hier.  „The legend“, Marcus Wiklund findest Du hier.

Möchtest Du noch einmal in die Winterwelt Nordschwedens eintauchen, dann klick Dich hier. Viel Spaß und laß mir gerne Deinen Kommentar auf dieser Seite zukommen. Ich sage schon einmal: Danke schön.

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