Let the incredible journey to India begin …

Let the incredible India journey begin…

Vor zwei Monaten beschloß ich, eine erneute Reise in mein tiefstes Inneres zu unternehmen und nach einer intensiven Recherche im Netz, kam ich zu der Erkenntnis, dass ich dieses Mal mein Yoga-Wissen in Richtung Ashtanga Yoga lenke und was liegt näher als Mysore in Karnataka im Süden Indiens, wenn man über Ashtanga Yoga nachdenkt. Ich war bereits schon zweimal in den vergangenen  Jahren in Mysore gewesen und so fühlte ich mich komfortable bei der Suche nach der richtigen Yogaschule hier am richtigen Ort zu sein.

Schon die Vorbereitung war ein kleines Abenteuer. Nachdem ich mich zwischen 2 Schulen, die beide top geratet waren entschieden hatte, entschied ich mich für INDEAyoga. Direkt bedeutet indea – inner light. Die Bewertungen, der Internetauftritt und das Konzept schien mir schlüssig. Allerdings nun begann es sehr „indisch“ zu werden. Einfach schön kompliziert. Nicht das man eine Transaktion für den Gesamtpreis erlaubt hätte, nein, unterschiedlichste Konto mussten gefüttert werden. Nach Aussage einer lieben indischen Freundin erklärte mir diese, dass der indische Staat unterschiedlichste Steuermodelle fährt und nicht unterscheiden kann, wenn eine eingehende Überweisung aus dem Ausland entsprechend gesplittet wird. Nun, kann man verstehen, muss man aber nicht verstehen.

Ich will mich aber an dieser Stelle nicht mit Kleinigkeiten aufhalten. So buchte ich meine Flüge von Hamburg über Dubai nach Banglore und ein entpanntes Handling bei Emirates macht die Reise zu einem angenehmen Start. Doch dann muss te ich meine Weiterreise von Banglore nach Mysore organisieren. Gerne wäre ich mit dem Bus gefahren, um so ein wenig von der Landschaft einfangen zu können, aber diese Buchung gelang mir ohne indische Unterstützung auf dem reinen Internetweg nicht. Ein wenig frustriert, aber überzeugt doch das Richtige zu tun buchte ich meine innerindischen Flüge mit AirIndia. Und nun begann der nächste Unterhaltungskracher. Mindestens einmal wöchentlich erhielt ich eine Änderungsbuchung für meine Flüge und den Hinweis auf nur 15 KG Gepäck wollte ich irgendwie übersehen.

Am 28. September 2019 war es endlich so weit. Emirates behandelt mich sehr unterstützend bei meinem „leicht schwererem Handgepäck“, dank Kamera und Laptop und auch meine unvolledete E-Visa Prozedur wurde professionell von dem Emirates Bodenpersonal abgeschlossen. Wer einmal ein Visum für Indien beantragt hat, weiß wovon ich spreche. Kommentar von dem Emirates Mitarbeiter: „Dies ist nur der Anfang, wo die incredible Reise nach Indien beginnt… „ Ich musste kräftig schmunzeln und hatte schon wieder dieses kleine, unbestimmte Gefühl, was mich alles auf dieser Reise erwarten würde…

Mein Flug nach Dubai hob abends in Hamburg ab und nach knapp 6 Stunden Flug hatte ich mich gegen Essen und für eine kleine „Nachtruhe“ entschieden.

32 Grad Celsius und eine hohe Luftfeuchtigkeit verschlugen mir fast den Atem. Ich nutze mein 5 Stunden Transit, mich mit einer lieben Freundin zu treffen und trotz enormer Müdigkeit überwog die Freude darüber ein guten Austausch zu haben. Natürlich wurden viele Dubai Erinnerung wachgerüttelt, denn auch in Dubai hatte ich einige Zeit in meinem Leben verbracht.

 

Übermüdet stieg ich am frühen Nachmittag in den Flieger nach Bangalore und wollte einfach nur ein wenig schlafen. Mit einem schönen Fensterplatz dachte ich den sicherlich überfüllten Flug problemlos zu überstehen. Dinge kommen aber meisten anders als man denkt. Nachdem ein junger, netter Mann den Gangplatz belegte, glaubte ich schon fast an mein Glück, dass der Mittelplatz freibleiben würde. Doch weit gefehlt. Eine junge, beleibtere Inderin bahnte sich den Weg durch den schmall Flugzeuggang Richtung Reihe 33 und schwups saß sie zwischen uns beiden. Ein unglaubliche Wolke der Transpirationsausdünstungen nicht allerbester Art stülpte sich über mich. OMG, und das bei einer olfaktorisch, sensiblen Person. Nur gut, das vier Stunden Flug keine Ewigkeit sind.

Kaum in Bangalore gelandet, konnte ich mein Glück kaum fassen: schnelles Handling bei dem Schalter für Passagiere mit e-Visa, das Gepäck war schneller auf dem Band, als ich es erreichen konnte im Nu war ein ATM gefunden, um die ersten indischen Rupien für Taxi und Co. zu haben. Das Taxi war wie bestellt ganz in der Nähe des ATMs. Ich dachte, meinem Glück zur einem guten Start in mein diesjähriges Indienabenteuer, stünde nichts mehr im Weg. Doch da hatte ich mich wohl ein wenig zu früh gefreut.

Der Taxifahrer war freundlich und bestätigte mir, dass er das Hotel selbstverständlich kennen würde. So stieg ich ein und fragte nach dem Taxameter, das er bitte anstellen möge. Fehler! Und passierte ausgerechnet mir. Nach einiger Diskussion einigten wir uns auf 800 INR (ca. 11,- Euro) für eine Strecke von eigentlich 12 KM. Meiner Müdigkeit war es geschuldet und ich wollte einen angenehmen Einstieg in mein neues Indienabenteuer.

Und nun begann das Abenteuer so richtig! Irfan, so hiess mein Fahrer, ein netter Mann, schien leider trotz Google Maps keinen Plan zu haben. Das erste Hotel, das er ansteuerte, hatte komischer Weise seinen Namen letzte Woche in einen neuen geändert. Seiner Meinung nach war dies das ehemalige Hotel mit dem Namen meines gebuchten Adresse. Nun gut. Dann fuhren wir weiter und selbstbewusst sagte er mir , Google Maps würde ihm nun den richtigen Weg weisen. Hmmm. Mit einem meinerseits leicht lädierten Vertrauen in meinem Fahrer, beschloss ich, ihn in eine persönliche Unterhaltung zu verwickeln und befragte ihn nach seinem Leben. Mit zunehmender Entspannung seinerseits, verspannte ich ein wenig mehr, denn nun wurde der Weg – ganz in der Nähe des International Airports von Bangalore immer dörflicher, dunkler und die Gassen immer schmäler. Streundende Hunde an jeder Ecke und wenn ich Menschen auf den Gassen sah, waren es immer nur Männer. Nach ca. 50 Minuten hatten wir angeblich das richtige Hotel gefunden und so lud er mich samt Gepäck in einer von Feldern umgebenen Landschaft aus. Da ich mittlerweile seine Nummer in mein indisches Handy gespeichert hatte, das ich immer noch besitze, fühlte ich mich nun zumindest nicht ganz verlassen. Außerdem wollte Irfan mich am nächsten Morgen ja auch wieder zum Airport zurückbringen. Kaum hatten wir das Check-In im Hotel beginnen wollen, stellte ich fest, das war nicht mein gebuchtes Hotel. Ein kleine Laune der Wortspielerei hatte Google Maps und Irfan mit mir als Gepäck hierher gebracht. Ich rief Irfan an, er kam zurück und nun tippte ich die Adresse bei Google Maps ein und simsalabim waren wir knapp 5 Minuten später im richtigen Hotel.

Falls ich nun hoffe, alles würde gut, wurde ich eines Besseren belehrt. Eine Buchung konnte Dank nicht vorhandenen Computer gar nicht erst gefunden werden. Der Hotelmanager war auch der englischen Sprache so gut wie gar nicht mächtig. Das Zimmer war alles andere als wie gebucht ruhig und der Zustand der Zimmer für normale westliche Standards jenseits von gut und böse, aber zumindest sauber und erstaunlicherweise Steckdosen an allen Ecken, eine echte Rarität für indische Verhältnisse. Die Dusche war eine echt indische Dusche: ein großer Eimer, den man mit Wasser füllt, ein kleiner Becher mit Henkel plus kaltem Wasser machen das Duscherlebnis zu einem Erlebnis besonderer Art. Streng nach dem Motto: Mach´s Dir doch selber.
Schnell sortierte ich mich in meinem immerhin großen Zimmer und bei dem kurzen Blick durch die verdeckten Fenster, war klar warum der Blick nach draußen nicht der Rede Wert war. Ein ausgetrockneter, nicht angelegter Garten, Bauschutt, eine Mauer und aufgeräumte Slumhütten in unmittelbarer Umgebung hinter der Mauer. Nun brauchte es nur noch Ohrpropfen und ich entschwand ins Reich der Träume.

Am anderen Morgen freute ich mich auf eine Dusche und glaubte irgendwie noch an warmes Wasser. Oh nein, ich sollte es wieder einmal ein frisches und abkühlendes Erlebnis haben und kaum waren meine Haare shamponiert ging das Licht aus und nun war klar, dass der Strom abgestellt wurde und mein Fön aller Wahrscheinlichkeit nach nicht am heutigen Tag zum Einsatz kam.

Das Frühstück wollte ich mir natürlich im zweiten Stock auf der bei meiner Ankunft angepriesenen Dachterrasse nicht entgehen lassen.

Was für ein Airport Frühstücksrestaurant! Ein echter Kulturschock nach meinem kurzen Stopover in Dubai. Rohbau, 2 Gäste im Frühstücksraum und das Personal gelangweilt in der Küche. Ich fragte einen der Gäste, wie man in den Genuss von Service käme und mit einer lapidaren Handbewegung Richtung Küche sagte er mir kurz und sachlich: „Call!“ „A-ha“, dachte ich mir und wagte den Blick in die Küche, wo das Personal saß und aß. Auf meine Frage „May I have a breakfast?“ wurde mir etwas Unverständliches entgegengeworfen und einige Minuten später kam ein Kaffee mit Milch und Zucker. Nun sagte mir der junge Kellner: „Madam, just little sugar“ und verschwand. Der Rest meines Frühstücks wurde schlicht ausgelassen bzw. vom Personal vertilgt, wie ich bei einem weiteren und letzten Blick in die Küche feststellte und so bestellte ich mir ein Taxi direkt vom Hotel diesmal für nur 300 INR, sagte Irfan ab und stellte mich dem äußerst spannenden Airport Personals von Air India. Nach einer etwas längeren Argumentation konnte ich sie zumindest davon überzeugen von einer Aufzahlung für Gepäck abzusehen.

Und nun wartete ich auf meinen hoffungslos verspäteten Flug nach Mysore und war gespannt, was mich erwartet.

In der Schlange die sich eine halbe Stunde vor Abflug vor dem Gate langsam einfand, stand gleich hinter mir eine 3-Generationen-Familie. Omi, Mutter und eine ganz hübsche Tochter. Es ist unglaublich schön, wie kommunikativ Inder sind und besonders die Solidarität unter Frauen ist immer wieder bemerkenswert. Schnell war ein Gespräch angeknüpft und so erfuhr ich das die 13 jährige Tochter zum Dussera Festival in Mysore für eine klassische Tanzperformanz in den Palast von Mysore eingeladen war und die 83jährige Omi und ihre Mutter sie begleiteten. Die Freundschaft war geknüpft und die prompt bekam ich nicht nur jede Menge Fotos von unglaublich schönen Tanzhaltungen der Tochter mit dem wunderschönen Namen Kanika zu sehen, sondern auch eine dringende Einladung zur Vorführung persönlich zu kommen.

Nach einigen Minuten des angenehmen Gesprächs kam jedoch der Hinweis, dass auch dieser Flug verspätet sei. Noch einmal nahm man Platz im Wartebereich vor dem Gate. Die Zeit verging und dann nahm ich eine aufgeregte Gruppe von Passagieren wahr, die sich direkt vor dem Schalter des Gates positioniert hatten.

Es kam wie es kommen musste: der Flug wurde wegen eines angeblichen Vogelschlages der reinkommenden Maschine gecancelt und der diensthabende Flight-Manager ließ ein wenig auf sich warten, bis er den Mut hatte, zu erscheinen. Die Stimmung erhitzte sich zunehmend, aber irgendwann war klar, dass die Fluggesellschaft mit dem wohlklingenden Namen Air India reagieren musste.

Nachdem nach einer schier endlos erscheinenden Zeit endlich Tickets zurückerstattet wurden, Koffer ausgeladen waren, hatten sich organisierte Passagiere längst selber organisiert und Gott sei Dank stieß ich auf einen Mexikaner mit stark amerikanischen Wurzeln für den Indien sein spirituelles Zuhause ist. Carlos oder um genau zu sein Juan Carlos reiste mit seinem Freund Bill zu einem Guru oder besser der weiblichen Form einer sogenannten Ama nach Mysore und ist gut vernetzt, dass er zwei Fahrer mit zwei Wagen zu ortsüblichen Konditionen mit verlässlichem Fahrer organisieren konnte.  Dieser Gruppe schlossen sich noch drei Yogis an und eine davon war ich.

Dies war eine gute Entscheidung gewesen, wie sich nun herausstellte. In nicht einmal 4 Stunden erreichten wir mit einer kleinen Pause Mysore. In der Zwischenzeit hatte ich ein extrem angenehmes Gespräch mit Joseph, meinem Mitfahrer. Jospeh stammt aus der Slowakei und lebt zur Zeit in Irland. Stetig auf der Suche nach dem Sinn des Lebens brauchte er eine Auszeit und schien in seinem Leben schon so einiges ausgetestet zu haben. So waren die vier Stunden schnell fast wie im Flug vergangen und wir standen fast unerwartet vor dem Yoga Dharma. Treffend bemerkte Joseph:“Da sind wir nun in unserem neuen Zuhause für die nächsten Wochen.“ Etwas mulmig war mir doch. Aber kaum hatte sich das Tor geöffnet, kamen wir an und fühlten uns sofort Zuhause. Ein schöner grüner Garten vor dem Haus, das schon außen einen sehr gepflegten Eindruck machte. Mit dem Eintreten in das Yoga Dharma, hatte ich beinahe das Gefühl in einem schönen alten Tempel gelandet zu sein. Nur durch den Eingangsflur getrennt, eröffnete sich zur Linken und Rechten jeweils eine Art Empore geziert von schönen Tempelholzpfeilern aus Teakholz. Mitten in der Lobby stand eine mit Blumenblüten liebevoll arrangierte Messingschale und der Wachmann, der uns so spät noch in Empfang genommen hatte, begeleitet uns jeweils zu unseren Zimmern. Ein weiteres Mal wurde ich an diesem Tag heute angenehm überrascht. Das Zimmer strahlte in seiner Einfachheit  eine angenehme Wärme aus und vom ersten Moment fühlte ich mich wohl. „Hier werden meine nächsten zwei Wochen gut verlaufen,“ dachte ich so und machte mich schnell ans Auspacken bevor ich eine Dusche nahm und vor lauter Erschöpfung glücklich einschlief.

Am nächsten Morgen wachte ich bereits kurz vor dem Klingeln des Weckers auf. Völlig energetisch bereitete ich mich auf meine erste Yogastunde am Morgen vor.

In dem Yogatrainingsraum unter dem Dach hatten sich bereits die ersten Schüler eingefunden und fingen selbständig mit ihren Übungen an. Die Anwesenden waren alle auf einem sehr hohen Niveau und langsam wurde ich immer gespannt auf alles, was nun kommen mochte. Bibo, ein extrem erfahrener Yogalehrer, war extrem drahtig und er begegnete jedem mit einer authenischen Natürlichkeit und einem warmen Lächeln, dass man sich sehr gut aufgehoben fühlte. Sein Assistenz, Priyanka, eine hübsche, ebenfalls drahtige Yogalehrerin überzeugt schnell mit einer großen Gabe für Motivation und Freundlichkeit. Dazu merkte man ihr schnell an, dass sie Ihren Job aus tiefster Überzeugung macht.

Die Stunde verlief jedoch ganz anders als eigentlich erwartet. Es gibt keinen Lehrer der als „Vorturner“ den Takt vorgibt, sondern eher durch präzise Erklärung und Überprüfung bei der Ausführung wird jeder einzelne Schüler da abgeholt, wo er sich genau in diesem Moment mit seinem Können befindet.

Schnell wurde mir klar, die erste Woche werde ich erst einmal adaptieren müssen.

Nach der ersten Stunde stand das Frühstück auf dem Programm. Fast musste ich ein wenig schmunzeln als ich das Restaurant betrat. Ein großer, heller, langer Raum, in dem an der einen Seite ein Büffet mit vegetarischen Köstlichkeiten aufgebaut war, die man selbstverständlich aufgetragen bekam und entlang der Wände Strohmattenkissen, auf denen man in der komfortablen Sitzhaltung, dem Lotus oder Schneidersitz gemütlich sein Essen einnimmt. Es versteht sich von selbst, dass in solchen Häusern auf absolute Stille Wert gelegt wird.

Für 13.00 Uhr war am ersten Tag ein Briefing vorgesehen für alle Neuankömmlinge unabhängig, ob man dem sogenannten TTC (Teacher Training Course) folgen wird in dem nun folgenden Monat, oder ob man sich für das sogenannte Mysore Style Yoga eingeschrieben hat. Ich hatte mich vorab mich letzteres eingeschrieben und sollte in den nächsten Tagen lernen, dass dies die beste Idee gewesen war, die ich je hatte.

Für das Briefing erschien die energische, quirlige Managerin des Hauses samt ihrer vielleicht 12 jährigen Tochter, die genau verfolgte, was ihre Mutter tat. Nun folgte eine klare Ansage, was im Haus möglich ist und was absolut zu vermeiden ist. Nach der gesamten Ausführung, die sich auch noch einmal in Zusammenfassen in jedem Zimmer an der Tür wiederfand, gab es ein kurze Begehung des Hauses und es war wirklich an alles gedacht: Im Eingangsbereich Schuhschränke, in denen man seine Schuhe unterbringen kann. Im Hause ist man nur noch barfuß unterwegs, 2 Waschmaschinen für die Wäsche der Schüler zur freien Verfügung, Bügeleisen und Brett im allgemeinen Bereich, ein Meditationsraum, der auch für das sogenannte Chanting genutzt wird. Hier werden gemeinsam Mantras gesungen, um einerseits die Gemeinsamkeit zu fördern und um als Lehrer später Schüler mit Mantras abzuholen in die Yogastunde. In dem Yogasaal im obersten Stockwerk fand das offizielle Briefing durch die Yogalehrer statt. Zunächst stellten sich alle Teilnehmer vor und bis auf ganz wenige Ausnahmen waren fast nur Inder oder sollte ich hier besser sagen Inderinnen dabei. Der Anspruch war für alle sehr unterschiedlich und als es zu der Erklärung kam, welche Einschränkungen die Teilnehmer des TTC zu erwarten hatten, war der wahrscheinlich härteste Moment gekommen. Wir erfuhren, dass es auch ein „digital detoxing“ (die digitale Entwöhnung) geben würde, sprich die Handys werden den Teilnehmern des TTC abgenommen, weggeschlossen und nur für eine Stunde am Tag ausgegeben. Puh…. Schwer verdauliche Kost für einige Anwesende.

Eine ganz junge Teilnehmerin, die Tochter von Stephani wie sich später herausstellte, bekam beinahe einen Zusammenbruch und erklärte dies ginge für sie gar nicht, da sie doch schliesslich nur mit ihrer APP Meditation betreiben könne. Das gab Diskussionsbedarf, den Bibo, der Seniorlehrer hervorrragend entkräftete.
Nach der Übergabe der Taschen mit Unterlagen, einem Buch und ein paar Goodies (Stift und Yogamattentasche) wurde die Gruppe nach dem obligatorischen Gruppenfoto in die Pause entlassen.

Am Nachmittag sollte für mich die Stunde um 16.00 Uhr beginnen. Die Schüler sind gebeten 10 Minuten vorab einzutreffen. Ich nahm auf meiner Matte Platz und nach einem gemeinsamen Chanting und guten Wünschen wurde der Gruppe eine minimale Einführung gegeben und nun wurde mal wieder sehr individuell vorgegangen. Immer wieder kam einer der beiden Lehrer zu einem und gab einem Korrekturen für die Haltung mit auf dem Weg und anhand eines Charts mit allen Asanas, dass wir vorab bekommen hatte, ging man durch die diversen Asanas (Positionen). Ich sagte mir:“ Okay, das ist alles sehr anders, aber gib Dir selber Zeit, Dich langsam in die Materie hineinzufinden.“ Nicht einfach für alle Dich mich ein wenig kennen.

Nach dieser zweiten Stunde war ich zwar ein wenig verunsichert, aber die Stunde hatte mir so einiges abverlangt und ich war überglücklich beseelt und wusste instinktiv, den perfekten Platz gewählt zu haben.

Nach einem super leckeren Abendessen, natürlich nur vegetarisch, aber unglaublich lecker, nutzte ich noch ein wenig das Internet, welches nur in der Lobby zur Verfügung steht und fiel gegen 21:30 Uhr todmüde und sehr glücklich ins Bett.

Am nächsten Tag wachte ich ganz von alleine auf, machte mich fertig für meine morgendliche Yogastunde im Yoga Dharma. In der ersten Reihe kamen nach und nach die Schüler an, die bereits am weitesten fortgeschritten sind. Ich selber fand mich in der zweiten Reihe wieder gleich neben einem Fenster und war froh, hier eine wenig frische Luft bei dem doch sehr schweißtreibenden Training zu haben. Doch diese Hoffung wurde schnell zu Nichte gemacht, als Priyanka eine kleine, energische Yogatraining mit einer so guten Seele das Fenster schloß und sagte: „Too airy for your training!“ Wenn sie nur wüßte …

In der dritten und letzten Reihe befanden sich die am wenigsten Erfahrenen.

Nun gut. Mein Vorbild auf der Matte vor mir ist für die nächsten Wochen eine extrem flexible Japanerin, die scheinbar den für sich besonders harten Weg geht, mit niemandem hier spricht außer dem Guru und ansonsten komplett in sich gekehrt ist. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Person beim Yoga gesehen zu haben, die so ambitioniert, extrem flexibel ist und jeden Tag unglaublich hart an sich arbeitet.

Die Stunde verlief für mich nun sehr gut, auch wenn ich immer wieder an den Punkt komme, wo ich denke, dass ich das alles schon viel besser können müsse, aber wie heißt es schön im Yoga, Yoga ist dein Weg und es zählt nur das Jetzt und so wie es ist, ist es gut, solange man alles gibt, um sich zu verbessern. Bibo und Priyanka, die beiden Trainer, die im Moment für die nächsten Tage das Training übernommen haben bis der Guru selber wieder erscheint, geben ihr Bestes und ihre unglaubliche Geduld, erneuten Erklärungen und Korrekturen sind der reinste Motivationsfaktor.

Langsam bauen sich die Muskel auch immer mehr auf, von Stunde zu Stunde registriere ich die Anspannung in meinem Körper und den klarer werdenden Fokus, auch wenn dieser sich immer wieder gerne verselbstständigt. Doch in diesen Momenten kommt ganz unerwartet oder vielleicht auch erwartet einer der beiden Trainer vorbei und erwartet wieder das Quentchen mehr.

Das Ende der Stunde wird in der Regel mit dem sogenannten Shavasana beendet und das ist der Moment, in dem noch einmal mental alle Körperteile angesprochen werden und zum relaxen eingeladen werden. Tut das gut!

Zum Schluss winkelt man das linke Bein an, legt es auf die rechte Seite, nimmt ein paar ruhige Atemzüge in dieser Position bevor man sich wieder in die „komfortable position“ dem im Idealfall Lotussitz begibt, die Augen geschlossen hält und die Hände vor der Brust faltet, nun werden sie ein wenig aneinander gerieben und die dabei entstandene Wärme in den Händen über die Augenpartie gelegt. Diese Energie wird im Gesicht mit einer leichten Massage verteilt, bevor wir alle gemeinsam in das Abschluss Chanting (Singen der Mantras) einstimmen. Was für ein unglaublicher Energiepegel, der sich nun breit macht!

Heute ist ein besonderer Tag, den Kanika Bhat, das dreizehn jährige Mädchen, das ich in Bangalore mit Mutter und Oma getroffen habe, hat heute Abend ihren Auftritt am Mysore Palace.

Nach der Yogastunde am Nachmittag nehme ich schnell eine Dusche, greife meine Fototasche und zusammen mit einer lieben Kursteilnehmerin, Stephani aus Italien, organisiere ich mir eine Rikscha (dreirädriges, offenes Taxi) per UBER und schon sind wir auf dem Weg zum Mysore Palace. Dort angekommen, sehen wir eine riesige Menge Menschen, aber unglaublich froh gestimmt und voller Erwartung. Wir reihen uns ein und ich stelle schnell fest Stephani fühlt sich nicht sehr komfortabel. Sie greift nach meiner Hand, während ich meinen Weg durch die Massen mache. Nach wenigen Minuten werden wir von einem Police Officer überholte, der mantramässig wiederholt: „single lane only!“ (nur eine Person hinter der anderen). Wie soll so etwas in dieser Masse von Menschen funktionieren. Ich hänge mich an den Officer, dass ich beinahe seinen Atem spüren kann und Stephani greift immer fester nach meiner Hand. Kaum am Gate angekommen, stehen wir vor einem Metalldetektor der immer nur eine Person durchlässt. Doch hier quetschen sich alle Besucher durch, es piept wie irre und keinen stört es. Ich frage mich wo der Sinn dieses Gerätes ist, wenn sich jeder mit allen Metallgeräten dort durchschiebt. Erst hinter diesem Gate kommt der eigentliche Check und nun werden alle Taschen untersucht auf eventuelle Waffen oder sonstiges.

Kaum haben wir den Palastbereich betreten und ich habe gerade meine Kamera aus der Tasche genommen und eingeschaltet, da geht ein Raunen durch die Reihen. Der Palast wurde angeschaltet, sprich die unglaubliche Beleuchtung des Palastes während der Dussera Festivaltage wurde angeschaltet. Ich nehme Stephani nun zu den unterschiedlichen Punkten des Palastvorfeldes mit, mache diverse Fotos und dann bahnen wir zwei uns den Weg zur Bühne.

Hier werden wir Zeuge von zwei hochprofessionellen Bands für klassische indische Musik.Ich bin überrascht wie ko-operierend die Police Officer auch hier sind. Ich frage freundlich, ob ich mit meiner Kamera vor die Bühne darf und ohne irgendeine Zurückhaltung geben sie mir den Weg frei. Was für ein Erlebnis so nah ranzukommen! Irgendwann versuche ich Kanika’s Mutter zu erreichen. Nach einigen Versuchen bei der Lautstärke etwas zu verstehen, muss ich lernen, dass ich am falschen Palast bin und Kanika in dem Jagamohan Palace, ca. einen Kilometer entfernt auf der Bühne sein wird. Noch haben wir Zeit den Palast zu erreichen und so mache ich mich gemeinsam mit Stephani auf den Weg.

Wenige Minuten später erreichen wir den grün erleuchteten Palast und schnell haben wir Backstage die ganze Familie gefunden. Es ist immer wieder unglaublich wie man als Ausländer quasi einen Freifahrtschein bei solchen Ereignissen hat. Inder sind unglaublich stolz ihre ganze indische Kultur, ihr Essen und ihr Land. Zeigt man als Ausländer dafür Interesse kann man auf Händen getragen werden.

Was sich nun Backstage bot, war ein echter indischer Klassiker, wir wurden beide der ganzen Familie vorgestellt und herzlichst aufgenommen, dann sah ich Kanika zum ersten Mal in kompletter Ausstattung. Was für ein Anblick! Doch das was nun auf der Bühne folgte, ist kaum in Worte zu fassen. Kanika ist die Reinkarnation aller Gesichtsausdrücke, die man sich nur vorstellen kann. Dazu perfekt abgestimmte Handhaltungen und eine Körperanspannung, die bereits mit 13 Jahren extrem ausgebildet ist. Ich möchte gar nicht erst wissen, wie dieses junge Mädchen in 5 Jahren auf der Bühne sein wird.

Nach ca. einer Stunde war die Vorstellung beendet, wir verabschiedeten uns höflichst und fuhren zurück zum Yoga Dharma.

Wieder ist ein völlig erfüllter Tag zuende gegangen und ich fühle mich wie im 7. Himmel.

Hier geht’s zu meinen ersten Eindrücken, die ich schnell mall mit dem Smartphone aufgenommen habe.

TEIL 2

Am nächsten Morgen ging ich völlig motiviert vom letzten Abend in meine morgendliche Yogastunde. Mit jedem Tag fühle ich mich ein bisschen mehr flexibel und gleichzeitig ist der Weg noch sehr weit. Dies wird mir so klar, wenn ich meine Vorbilder in der ersten Reihe sehe. Doch irgendwie schafft dieser Platz hier eine Ruhe, die mich akzeptieren lässt, dass der Weg noch weit sein darf und Frustration hier keinen Platz haben sollte. So langsam schwitze ich mich auch an diesem Tag in meine Matte und ich bewundere die Trainer, die all diesen Schweiß von den Teilnehmern ertragen müssen, wenn sie die Korrekturen vornehmen. Diese Korrekturen sind manchmal nur minimal angedeutet, bewirken jedoch alles, was wichtig ist, um korrekt in die Asana zu kommen. Immer wieder kommt Priyanka bei mir vorbei, weißt mich daraufhin, dass das Steißbein anzuspannen ist, der Bauch einzuziehen ist und die Atmung aus dem Brustbereich zu erfolgen hat. Und zu allem Überfluß bei all der Konzentration kommt noch der kleine, aber feine Hinweis „Your smile is your strength!“ (Dein Lächeln ist Deine Stärke). Während der Stunde am Morgen folge ich für diese Woche den sogenannten „Preparatory Series“ für den bald folgenden Ashtanga Vinyasa flow. Im Endeffekt ist Hatha Yoga die Basis für Ashtanga. Hat man seine Basis im Hatha nicht vernünftig vorbereitet, wird sich im Ashtanga Vinyasa das Problem nur potenzieren. Denn im Ashtanga kommen dann gesprungene Elemente hinzu, die den Flow ergeben. Und so sind die beiden ersten Wochen stark fokussiert auf alle Hatha Asanas.

Am Ende einer jeden Stunde kommt wir alle gemeinsam zur Ruhe, obwohl wir alle unsere komplett personalisierte Stunde machen. Wir schliessen die Morgenstunde mit einem Chanting und Gebet. Für mich ist es natürlich eine Herausforderung Sanskrit aussprechen zu können und vor allem zu behalten.

Zum Beenden der Stunde geht dies wie folgt:

OM  sarve bhavantu sukhinah, sarve santu niramayah
sarve bhadrani pasyantu, ma kascidduhkhabhagbhavet
OM shanti shanti shantih

Nun was wollen all diese Sanskrit Worte sagen?

Mögen alle glücklich sein, frei von Einschränkungen. Mögen alle auf das Gute des anderen schauen und möge keiner von Sorgen geplagt sein.
OM Friede, Friede, Friede.

Was für ein schöner Gedanke um den positiven Tag weiter angehen zu können nach der energetisch Yogastunde am Morgen.

Nach meiner Yogastunde nehme ich eine Dusche.  Natürlich habe ich mich längst wieder an eine indische “Eimerdusche“ gewöhnt und schmunzele jedes Mal ein wenig in mich hinein. Dann geht´s ab zum Frühstück. Jeden Morgen gibt es irgendeine neue vegetarische Köstlichkeit. Die Ruhe, die dabei eingehalten werden soll, wird langsam zur Routine und tut auch irgendwie gut. Ich bin ganz bei mir, konzentriere mich auf das Erlebte und das was vor mir auf meinem runden Metalltablett aufgetan wurde.

Nach dem Frühstück mach ich mich auf den Weg zu einer kleinen Shopping Mall. Dummerweise macht das Trackpad meines Laptops nicht ganz so mit wie ich mir das wünsche und die Bearbeitung meiner Bilder wird zu einem echten Abenteuer.

In der Mall, die mir genannt wurde, gibt es auch einen kleinen Apple Shop. Natürlich könnte ich eine Maus kaufen – die einzige im Geschäft verfügbare – aber bei dem Preis von 6.000 INR (ca. 77 Euro) schrecke doch etwas zurück und frage den Verkäufer ganz kleinlaut, ob es denn noch einen anderen Elektronikshop in der Mall gibt. Verständnisvoll erklärt er mir den Weg und schwups ergattere ich eine Maus für 600 INR. Das klingt doch schon ganz anders.

Gleich neben der Mall entdecke ich das Schild zu einem Beauty Parlour. Man würde das bei uns Frisör mit allen weiteren Serviceangeboten wie Massagen, Maniküre, Pediküre, etc nennen. Hier lasse ich mir endlich mal wieder meine Augenbrauen mit dem Faden in Form bringen. Beseelt fahre ich zum Yogadhaama zurück, denn ich möchte meine Stunde am Nachmittag auf gar keinen Fall verpassen. Dafür bräuchte ich auch eine triftige Entschuldigung. Während eines Kurses sind nämlich nicht mehr als 2 Fehlstunden zulässig.

Am Eingang sehe ich ihn nun endlich. Bharat-ji Shetty, der Guru, ist eine friedliche und doch energetische Person, die mich mit offenen Augen anschaut und freundlich begrüßt. So eine unglaubliche Zufriedenheit, die diesem Menschen innewohnt ist sofort spürbar und wir haben eine kurze Konversation darüber, wie es mir gefällt und dass er sich entschuldigt nicht von Anfang an dabeigewesen zu sein. Ein dummer Husten hat ihn außer Gefecht gesetzt und zu einer Zwangspause gezwungen. Ich verabschiede mich höflichst, gehe in mein Zimmer und mache mich fertig für die Yogastunde am Nachmittag.

Die nun folgende Stunde ist von einem anderen Geist beseelt, dem man von der ersten Sekunde anmerkt, dieser Mann hat seine Bestimmung gefunden, ist durch und durch ein richtig guter Lehrer, hat Yoga komplett inhaliert und weiss es auch zu transportieren. Priyanka ist von nun an seine Unterstützung und Bibo findet sich auf der Matte wieder, um dort die tollsten Asanas zu trainieren. Bibo ist Senior Assistant Trainer und nimmt seine Rolle im TTC (Teacher Training Course) wahr.

Bharat-ji ist ein Schüler von  Yoga Guru, Padma Vibhushan B.K.S. Iyengar, in Pune, Indien. Sein Training basiert auf Ashtanga of Patanjali und Panchakosha, den  Upanishads. Er trägt diverse Titel im Yoga, gibt  Workshops rund um den Globus und unterstützt diverse wohltätige Vereine. Besonders setzt er sich auch für Menschen mit Behinderungen ein.

Einer meiner Lieblingsschüler, der auch regelmässig zur Klasse kommt, ist ein junger Mann mit dem Down Syndrom, der während der Klassen regelrecht aufblüht und unter der Anleitung von Bharat-ji einfach alles gibt.

Die besondere Gabe von Bharat-ji ist es Menschen zu motivieren und das Maximale des Momentes aus einem herauszuholen. Dabei schafft er es mit leichten und wenigen Handgriffen die Asana zu korrigieren und mit einem leichten Klopfer auf den Körper Wertschätzung zu zeigen, ohne dabei auch nur im geringsten anzüglich zu sein.

Am Ende dieser ersten Stunde mit Bharat-ji weiß ich nun noch mehr: Ich hätte keinen besseren Platz wählen können.

An diesem Abend schmeckt mein Abendessen doppelt so gut und nach einer kleinen Bearbeitungsauszeit an meinem Laptop falle ich erschöpft ins Bett.

Die nächsten beiden Tage verlaufen immer weiter nach diesem Muster und am Samstag Nachmittag bin ich fast ein wenig traurig, dass wir Sonntags weder Yogastunden haben, noch wunderbares vegetarisches Essen auf das Tablett kommt.

Für den Sonntag Morgen habe ich mir zusammen mit Urmal und Anoupa (2 Mitschülerinnen) Chamundi Hill vorgenommen. Um 6:30 Uhr morgens machen wir uns auf den Weg. Da wir zu dritt sind, nehmen wir dieses Mal ein Auto und keine Rikschaw. Eine halbe Stunde brauchen wir ca. für den Weg, um am Fuße des Berges anzukommen. Unmengen von Menschen haben sich bereits ebenfalls auf den Weg gemacht. Während Dussera Festival ist dieser Ort für viele Gläubige ein Besuch wert bzw. beinahe ein Muss. Über dem Berg liegt ein morgendlicher Dunst und zügig arbeiten wir uns die 1000 Stufen nach oben. Auf der Hälfte der Strecke ist ein übergroßer Nandi (Bulle) in Stein gemeißelt zu bewundern, der von einem Priester zur Feier des Tages mit diversen Blumengirlanden geschmückt wird.

Kaum oben angekommen, traue ich meinen Augen nicht. Auf einem großen Platz vor dem Tempel haben sich hunderte Menschen auf ihren Yogamatten in eine komfortable Position gebracht und warten auf den Beginn der Stunde, die wenig später abgehalten wird. Rund um den Tempel haben sich Unmengen von Menschen angestellt und bleiben dabei halbwegs diszipliniert in der Schlange, schlicht um für wenige Momente das heiligste Innere des Tempels in Augenschein zu nehmen und das Gebet oder vielleicht auch nur das gewünschte Wort loswerden zu können. Urmal und Anoupa haben den gleichen Plan, während ich die Yogis und einen nahestehenden Seitentempel mit meiner Kamera unter die Lupe nehme.

Eine halbe Stunde stoße ich wieder auf Urmal und Anoupa, die ihren Plan dank der Unmengen von Besuchern in den Wind geschrieben haben. Nachdem wir gemeinsam noch einmal den einen oder anderen Winkel inspizieren, beschließen wir den Rückweg in Angriff zu nehmen. Unten angekommen, sehe ich den Priester, den ich schon einmal vor Jahren bei einem Besuch an genau diesem Ort gesehen und fotografiert habe. Er schaut mich genauer an, fragt woher ich komme und gibt mir wieder einmal seine allerbesten Wünsche.

Kumar, unser Fahrer, hat in der Zwischenzeit auf uns gewartet und ist nun bereit uns zum nächsten Punkt zu bringen: Frühstück im Green Leaf ist angesagt. Kaum dort angekommen, stürzen wir uns auf die Karte und können es kaum abwarten, bis uns die leckeren Mysore Masala Dosas gebracht werden. Diese südindische Spezialität ist ein hauchdünnes, knuspriges gebratenes Crepe, das mit einer Art Kartoffelstampf gefüllt wird. Dazu wird ein Sambal, eine kleine scharfe Suppe, und ein Koriander Chutney gereicht. Wer irgendwann mal nach Südindien kommt, sollte auf gar keinen Fall dieses Gericht am Morgen auslassen.

Gut gesättigt, treten wir den Weg zum Yogadhaama zurück an.

Urmal und Anoupa haben für den Nachmittag einen Besuch im Kino auf dem Plan. Auch wenn es Untertitel gibt, so entscheide ich mich für einen Besuch im Mysore Palace.

Bilder von Chamundi Hill und ein bißchen mehr… kleine Ausschnitte mit dem Handy geklickt

1000 Treppen hoch zu Chamundi Hill

Teil 3

Der erste freie Sonntag ohne Yogastunden schreit förmlich danach noch mehr zu unternehmen. Da ich den Mysore Palace vor wenigen Tagen schon von außen bewundern konnte, kann ich meinen Wunsch endlich in dem Palast zu fotografieren nicht mehr ignorieren. Schließlich gehört dieser Palast – auch Ambas Vilas genannt –  zu den berühmtesten Palastbauten in ganz Indien. Ich schnappe mir wieder meine Fototasche, bestelle mir über UBER eine Rikschaw und mache mich auf den Weg zum Palast. Dort angekommen, genieße ich die frühe Nachmittagsstimmung und das immer wärmer werdende Licht. „Genauso hatte ich mir meinen Nachmittag vorgestellt“, dachte ich mir und lief langsam zum Eingang des Palastes. Jetzt wurden mir die Menschenmassen doch langsam immer dichter, aber ich wollte partout ins Innere dieses Palastes. So kaufte ich ein Ticket und konnte mein Glück gar nicht fassen, dass ich zum ersten Mal als Ausländer den gleichen Preis zahlen sollte wie Inder. Kaum hielt ich mein Ticket in der Hand, ging ich zu den Absperrungen, von wo aus die Massen in eine Schlange geleitet wurden, um halbwegs geordnet in den Palast zu kommen. Hier mußte ich meine Schuhe ausziehen, fand ein Plätzchen für sie, wo ich sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch wiederfinden würde und ließ mich von der Masse treiben. Was sich nun im Aufgang zu dem Hauptraum abspielte, würde jeden normalen Mitteleuropäer mit leichter Platzangst in ein mittelschweres Trauma fallen lassen oder einen Herzinfarkt  bei den meisten auslösen. Die Masse schob sich den Treppenaufgang nach oben und ob man wollte oder nicht, man wurde einfach mit nach oben gedrückt. In diesem Moment stellte ich mir zum ersten Mal während dieser Reise die Frage, was wohl passieren würde, wenn ich nun ein ernsthaftes Problem bekäme. Ein leicht flaues Gefühl überkam mich. Nach einigen Minuten war dieser Schub in die obere Etage zum Säulenraum überstanden. Das Bild was sich mir nun bot, war einfach nur von unglaublich, verschwenderischer Schönheit indischer Architektur geprägt. Ich komme in einen riesigen Raum, der mit unzähligen Säulen geziert ist. Drei Bogengänge nebeneinander mit endlos hintereinander liegenden Säulen, die im Bogen mit einem strahlenden Türkis geradezu leuchten und nach unten durch die Farbe rosa und endlose Goldapplikationen einen tollen Kontrast bieten. Durch jede dieser Allee von Säulen wird der Marmorboden im hellen Beigeton durch einen endlosen roten Teppich schützend geziert. Ich könnte hier ewig stehen, um jeden Winkel zu fotografieren, aber die Masse schiebt sich unaufhaltsam weiter, angetrieben durch die schrillen Pfiffe der Palastaufseher, die ihr Bestes tun die Menschen weiterzutreiben. Irgendwie schaffe ich es aber meine Fotos unbeirrt schießen zu können und lasse mich in keiner Weise von den Versuchen, mich weiterzuschieben, beeindrucken. Diese Momente sind für mich unglaublich erfüllend und ich bin fast berauscht von der beeindruckenden Symmetrie, von der sich die Architekten bei diesem Palast haben inspirieren lassen. Bei dem Hinweis, dass dieser Palast Elemente der traditionellen hinduistischen, indisch-islamischen, rajputischen und europäischen Architektur vereint, wird einem fast schwindelig und als ich meinen Blick auf die offene Tribüne lenke, die links des Säulensaals liegt, und die den Blick auf das komplette Vorfeld des Palastes freigibt, komme ich aus dem Stauen auch bei diesem Besuch nicht mehr raus. Dieses Vorfeld – auch Arena genannt – wird von sechs in Bronze gegossenenen Leoparden bewacht, die jederzeit bereit sind loszuspringen. Soviel Oppulenz auf einem großen Raum verteilt erschlägt einfach jeden.

Inder lieben Fotos und seit der Einführung von Selfies und Smartphones ist diese Nation irgendwie komplett außer Rand und Band. So natürlich auch hier. Ich schaffe es meine Momente für mich einzufangen und lasse mich weiter in den nächsten Raum schieben. Hier ist dem Gold keine Grenze mehr gesetzt worden. Die Durbarhalle ist ein Raum, der für Audienzen des Maharajas eingerichtet wurde. Neben dem Blattgold, der diesen ganzen Raum regelrecht im Schein badet, ist eine Glasdecke im Dach eingelassen, durch die das Licht in allen Farben während des Tages scheint gefiltert durch feinste Glasmalerei. Abends wird dieses Glasdach von feinsten Kristallleuchtern von unten angestrahlt wird. Mir bleibt in diesem Moment wirklich der Atem stocken – nicht nur durch die beeindruckende Schönheit des Raumes, sondern auch durch die Hitze und Menschen, die sich unaufhörlich weiter an mir vorbeischieben und mich immer wieder mitreißen wollen. Auch hier überkommt mich eine leichte Beklemmung bei dem Gedanken, was wohl wäre wenn …

Als ich aus dem Palast ausgespukt werde, nehme ich einen tiefen Schluck frische Außenluft, suche meinen Weg zurück zu meinen Schuhen und kann meine Fotofreude einfach immer noch nicht bändigen. Mein Blick fällt auf das Schild mit dem Hinweis zum Old Palace (alter Palast). Angenehm überrascht von der sich lichtenden Menschmasse, den leicht morbiden und unglaublich fotogenen Fassaden, stehe ich wenige Momente später am Eingang zum alten Palast. Hier holt mich die Normalität wieder ein: Der Preis für erwachsene Inder 45 INR, Ausländer 180 INR. Ein Ärgernis, das ich leider immer noch nicht verdaut bekomme. Natürlich sind das alles keine Beträge, aber warum glauben Inder, das Touristen Geldausgabeautomaten sind. Dabei gibt es reiche Inder, die ebenso mehr zahlen könnten. Nun gut, ich schiebe meinen Groll beiseite, bezahle mein Ticket und dann muss ich erfahren, dass ich im alten Palast nicht fotografieren darf. Hätte man das nicht bereits am Ticketschalter erwähnen können? Hier war meine rote Linie nun wirklich überschritten und ich wollte das Ticket wieder zurückgeben. Doch am Ticketschalter sagt mir die indische Lady: “No refund!“ (Keine Erstattung!). Da platzt bei mir die nicht vorhandene Hutschnur und ich gebe dem Oberauseher mein Ticket zurück, weil mir die Lust vergangen ist. Und siehe da, er sagt: „Go with camera!“ (geh mit deiner Kamera). Die Logik erschließt sich mir nicht, aber ich nehme das Angebot an und mache meine Tour durch den alten Palast. Fazit: Hätte ich mir auch sparen können. Aber so ist das mit mir, die Neugierde ist einfach zu groß.

Nach insgesamt guten drei Stunden habe ich genug von Menschen und Palast. Ich verlasse die Palastmauern auf der Suche nach einem kleinen Rooftop Restaurant, dass ich bei meinem ersten Besuch in Mysore vor vielen Jahren mit einer Freundin besucht hatte und mir in guter Erinnerung geblieben war. Trotz intensiver Suche werde ich aber nicht fündig. Ein Blick auf mein Handy sagt mir, dass mein Akku nicht mehr reicht, um per UBER eine Rikschaw zu bestellen und nach Hause zu kommen. Diese Erkenntnis sagt mir einerseits, dass es höchste Zeit für mich wird zu digital zu detoxen und dass ich schleunigst eine Steckdose brauche.

Mein Magen schlägt mir vor, ein vegetarisches Restaurant zu suchen. Gesagt, getan. Mein Handy bekommt die nötige Steckdose und ich sitze an einem Tisch allein und bestelle mir Thali, eine südindische Spezialität bestehend aus ganz vielen kleine Gerichten, die in  kleinen Schüsselchen auf einem Tablett serviert werden und immer wieder aufgefüllt werden, bis man satt ist. Das ich hier natürlich nicht lange alleine sitze versteht sich eigentlich von selbst. Eine „kleine Familie“ findet sich ein. Mutter, Vater, Tochter, Sohn und dann schwups kommen noch aus dem Nichts drei weitere kleine Söhnchen. Mutti und Vati bestellen sich einen kleinen Kaffee und als dieser eintrifft, schaut mir die Mutter interessiert zu, wie ich mein Essen zu mir nehme. Das ich dazu Löffel und Gabel brauche, findet sie besonders interessant und irgendwann fragt die neben mir sitzende Tochter: „Can I have Selfie with you?“ (Kann ich ein Selfie mit Dir haben?“) Das hat mir jetzt gerade noch gefehlt, so verschwitzt wie ich bin, aber was tut man nicht alles, um die Menschen in meinem Gastland glücklich zu machen? Nun traut sich auch Vati. „Where are you from?“ Das Eis ist gebrochen. Wir haben eine kleine Unterhaltung und so erfahre ich, dass die ganze Familie über Dussera für zwei Tage von Mangalore nach Mysore gefahren ist mit dem Nachtbus (acht Stunden Fahrt) und dass ich die Tochter gerne mit nach Deutschland nehmen darf. So schnell geht das.

An diesem Abend fahre ich nur noch nach Hause ins Yogadhaama und muss all meine Erlebnisse verdauen, bevor es am anderen Morgen mit Yoga weitergeht. Und darauf  freue ich mich nach einem Tag Abstinenz schon so richtig.

Als am anderen Morgen der Wecker klingelt und ich meine müden Beine ins Bad trage, da merke ich ganz andere Muskelpartien: 1000 Stufen nach Chamundi Hill rauf und 1000 Stufen runter haben ihren Job getan und das soll ich noch die nächsten 2 Tage spüren.

Die Energie an diesem Morgen ist aber ungebrochen und mit Beginn dieser Woche merke ich, ich beginne den Flow (Ablauf) zu verinnerlichen. Der Morgen beginnt mit Chanting (dem Singen eines Gebets). Bharat-ji singt die einzelnen Bestandteile in Sanskit vor und mehr oder weniger gut singen die Schüler gemeinsam nach. In der komfortablen Position (überkeuzter Schneidersitz) wird es von Tag zu komfortabler länger zu sitzen und nach einem freundlichen Namaste-Verneiger kann es losgehen. Jeder folgt seiner Abfolge. Noch immer beginnt für mich und einige andere die Stunde mit dem Stehen an einen Wand. Die Füße stehen dabei eng nebeneinander und langsam sinke ich mit den Knien gebeugt ein wenig runter. Dabei ziehe ich das Steißbein leicht nach oben, lehne den Kopf nicht gegen die Wand, so dass der ganze Rücken ohne einen Hohlraum zu bilden mit der Wand eins wird. Nach 9 tiefen Atemzügen, die im Brustbereich stattfinden und wobei der Bauchnabel eingezogen wird, nehme ich die Arme nach oben und nehme meine Hände zusammen, ohne die Finger zu überkreuzen. Dabei bleiben die Schultern relaxed und werden nicht mit nach oben gezogen. Hört sich alles leicht an, aber für mich ist Herausforderung, das Becken nach vorne zu rotieren und dabei immer wieder den Bauchnabel einzuziehen. Diese Haltung ist Grundlage für sehr viele Asanas (Positionen) und so wird es immer wiederholt vor jeder Stunde.

Den Rest meiner Stunde genieße ich in vollen Zügen und bin so unendlich dankbar, diesen Ort gefunden zu haben und diesen Lehrer. Aber noch sehr viel wichtiger, einen Mann an meiner Seite zu haben, der Freiheit geben kann. Freiheit, um diese Momente in völliger Gänze zu genießen. Was für ein Geschenk!

Mysore Palast
Säulenraum im Mysore Palast
Verzierungen an den Säulen
Symmetrie im Säulenraum
Goldener Saal für Audienzen
Audienzbereich des Palastes
Alter Palast
Alter Palast
Mysore Palast
Gate mit Blick auf die Spitze von Statue of Chamarajendra Wodeyar
Mysore Palast

TEIL 4

Nach der Morgenstunde am folgenden Morgen habe ich etwas ganz Besonderes auf meinem Zettel. Am Nachmittag um 14:30 Uhr findet eine riesige Prozession am Mysore Palace statt. Eingeleitet wird diese von Elefanten und als krönenden Abschluß mit Elefanten beendet wird. Was dazwischen passiert, ist zu diesem Zeitpunkt für mich ein Buch mit sieben Siegel, aber schon bei der Vorbereitung meiner Reise war mir klar, das Ereignis würde ich um keinen Preis verpassen.

Dussera ist ein Festival, das besonders in Mysore in ausschweifender Form gefeiert wird und wofür diese Stadt unter anderem in Indien auch bekannt ist. Was will dieses Festival sagen? Nun in Kürze erklärt, ist es der Sieg des Guten über das Böse oder mit mystischer Brille betrachtet, der Sieg von Gott Rama – eine Reinkarnation von Lord Vishnu – über den 10-köpfigen Demon König Ravana.

So machte ich mich mit offizieller Erlaubnis von Bharat-ji gleich nach dem Frühstück auf zum Palast. Dort angekommen war mir klar, das würde ein Menschenauflauf ungeahnten Ausmaßes für mich werden. Ich musste die Palastmauern einmal umrunden, um einen perfekten Ausgangspunkt für meine Bilder zu finden. An diesem Tag waren in den Palastmauern nur geladene Gäste vorgesehen und davon war ich noch ganz weit entfernt.

Rund um der Kreisverkehr wo sich auch die Statue von Chamarajendra Wodeyar befindet, am östlichen Tor des Palastes, hatte die Polizei, die für diese Festivaltage in Mysore um weitere 10.000 Polizisten verstärkt wurde, ganze Arbeit geleistet. Die Absperrungen waren rund um den Kreisverkehr mit Ausnahme des Prozessionsweges komplett abgesperrt. Noch konnte man in den Kreisverkehr gehen, aber viele Besucher hatten sich bereits scheinbar seit den Morgenstunden in Stellung gebracht, um den besten Platz in erster Reihe hinter der Absperrung zu ergattern. Junge, hübsche Inderinnen in khakifarbenen Uniformen lächelten zwar in die Menge, aber zu spaßen war mit ihnen im Ernstfall nicht wirklich. Sie zogen den Kreis in Form einer Menschenkette mit fortschreitender Zeit immer enger. Ich schaute mich um. Überall Menschen, Menschen, Menschen, wohin das Auge auch blickte. Selbst in den Bäumen hatten die ersten Schaulustigen versucht einen Platz auszumachen, von dem aus wohl die besten Blicke oder Fotos zu erhaschen seien. Ich machte eine beinahe erreichbare Lücke in der ersten Reihe an einer Absperrung aus und wollte den Weg dort hin wagen. Das bereute ich schnell. Ich musste mich durch ein Nadelöhr schieben und irgendwie hatte ich plötzlich das Gefühl, gewisse Männer suchten genau diese enge Möglichkeit. Und dann kam es noch dicker. Plötzlich wurde von vorne geschoben und dieser Menschmasse war einfach gar nichts mehr entgegenzusetzen. Ich beschloss, mich ganz schnell wieder zurückschieben zu lassen. Was für eine Erleichterung als ich wieder an eine etwas aufgelockerte Stelle gelangt! Nun war mir klar, ich brauchte einen sicheren Platz, um das Festival auch genießen zu können. Ich machte an einer Seite der Straße eine bunte Überdachung aus Stoff aus hinter der Absperrung. Leider war diese Absperrung auch noch mal mit Gitterdraht erhöht, so dass ein darüber springen oder darüber fotografieren fast aussichtslos war. Und da entdeckte ich plötzlich einen kleinen Zugang zu dieser „Tribüne“, abgesichert durch drei Wachleute. Einen freundlich gestimmten Vertreter fragte ich, ob ich wohl in diesen Bereich eintreten dürfe und kurz bekam ich entgegen geschleudert: “Ticket?“  Ganz offen und ehrlich sagte ich ihm, dass ich kein Ticket hätte, es gerne gekauft hätte, aber irgendwie nicht durchgekommen bin. Mit großen Augen schaute ich ihn an und nach meiner gerade gemachten Erfahrung, die fast an eine Stampede erinnerte, sah er mir den Schrecken wohl irgendwie an. Er fragte mich, ob ich alleine sei und ich nickte ein wenig betroffen. Kurz und knapp bekam ich energisch gesagt: „Wait!“ Ich zog einen 100 Rupie-Schein aus meinem Portemonnaie und als er mich in einem günstigen Moment passieren lassen wollte, lehnte er meinen Bestechungsversuch aber brüsk ab und ließ mich dennoch passieren. Nun war ich wieder befriedet. Es geht auch mit Freundlichkeit! Ich suchte mir einen Platz in der hintersten von 5 Reihen gleich am Zaun zum Palastgarten, denn ich hatte den Gedanken, während der Prozession auf den Stuhl steigen zu können, um bessere Bilder machen zu können. Ein Großteil der Stühle war bereits belegt.

Kurz nachdem ich Platz genommen hatte, gesellten sich auf meiner linken Seite eine Gruppe junge, gutaussehende Männer dazu mit offenbar sehr guten Manieren. Es dauerte nicht lange und schon wieder war ich in Mitten einer interessanten Unterhaltung. So erzählten mir diese jungen Männer, dass sie an einem einjährigen Studienprogramm der Regierung teilnähmen und von tausenden Bewerbungen nur ein Kandidat pro Bundesstaat ausgewählt wurde. Auf meine Frage, was sie denn während dieser Zeit gerade genau machen würden, erklärten sie mir ganz aufgeregt, dass sie ein Projekt machen über die Implementierung von einem Ausbildungssystem in das indische Wirtschaftssystem in Anlehnung an unser gutes altes deutsches Ausbildungssystem. Treffer versenkt!

Als ich der Gruppe nun erkläre, dass ich aus Deutschland bin und selber nach meinem Abitur eine Ausbildung als EDV-Kauffrau durchlaufen habe, sind sie ganz aus dem Häuschen. Einer der Gruppe prischt vor und fragt: „Madam, can we have an interview with you?“ Hmm, denke ich so, wohin so etwas dann wohl gehen mag. Ich erkläre mich bereit unter der Prämisse, die Fragen vorab zu lesen zu bekommen. Gesagt, getan! Völlig euphorisch steckt die Gruppe die Köpfe zusammen und eine halbe Stunde später bin ich ON AIR. Zwei Handys nehmen das Interview auf und während der Aufnahme will sich immer wieder einer der fliegenden Händler dazwischen mogeln, um Getränke und Snacks an die Besucher zu verkaufen. Indien ist einfach ungebremst, hautnah und ohne Rücksicht auf Privatsphäre. Eine Erfahrung, die ich immer wieder in Indien machte und mache. Genauso mag ich es, auch wenn selbst ich Momente habe, in denen ich mir mein beschauliches Zuhause zurückwünsche.

In der Zwischenzeit haben sich auch die Plätze zu meiner rechten Seite gefüllt. Eine kleine Gruppe von sechs Männern mittleren Alters – opsy, da gehöre ich ja auch schon dazu – hat Platz genommen, beobachtet, was ich so erzähle und natürlich wollen auch sie sich im Anschluß an mein Interview einbringen. Diese Gruppe wohl recht gut situierter Männer ist auf dem jährlich wiederkehrenden Ausflug zur Elefantenparade nach Mysore. Jedes Jahr reisen sie gemeinsam mit dem Zug aus Bangalore an wie mir mein direkter Sitznachbar erklärt. Selbstverständlich könnten sie auch mit dem Auto anreisen – das muss er nun doch schon zum Ausdruck bringen, aber der vernünftigere Weg sei nun einmal einfach mit dem Zug und noch dazu hätten sie so viel mehr Spaß gemeinsam.

Zwischenzeitlich ist der Kreisverkehr von Besuchern geräumt, Polizeioffiziere sind in Stellung gebracht, und nur noch Presse und zugelassene Fotografen haben das Privileg des freien Raumes.

Dann wird es plötzlich laut. Ein Raunen geht durch die Menge und da sind sie! Die ersten vier Elefanten haben den Weg aus dem Palast geschafft. Angeführt von einer Gruppe weiß gekleideter Brahmanen (Priester aus der obersten Kaste) kommen die majestätisch erscheinenden Riesen daher. Jeder der Tiere ist mit floral, indischen Mustern auf dem Körper, besonders im Kopf und Ohrbereich bemalt. Über den Rücken tragen sie bunte Satintücher und auf jedem Elefant sitzt der Mahout (der Elefantenführer, -reiter) sowie eine weitere Person. Dieser trägt einen bunten Schirm. Wozu dieser allerdings dienen soll erschließt sich mir nicht, außer dass er als dekoratives Element eine gewisse Würde verleiht.

Die Masse ist außer Rand und Band. Im schrillen Getöse, Getrommel und zusätzlichem Anfeuern durch die Besuchermassen tun mir die Elefanten einfach nur leid. Das braucht, glaube ich, kein Elefant und mit der indischen Brille betrachtet, frage ich mich insgeheim, was diese armen Elefanten wohl Böses getan haben in ihrem vorherigen Leben, dass sie dieses Karma erwischt haben und nun abarbeiten müssen.

Gefolgt von den Elefanten werden nun nach und nach diverse Wagen mit aktuellen politischen oder gesellschaftskritischen Themen aufgefahren. Diese gleichen unserem Karnevalsumzugswagen sehr. Sie sind einfach nur bunter. Neunundzwanzig Wagen an der Anzahl werden nur unterbrochen von unterschiedlichsten Vereinsgruppen, die entweder musikalische oder folkloristische Darbietungen unter lautem Trommelwirbel oder sonstigen musikalischen Untermalungen darbieten. Nicht nur, dass der Geräuschpegel enorm ist, auch die Hitze, die Menschenmassen und die aus dem Nichts kommenden jungen Männer, die nun immer wieder versuchen, von hinten über den Zaun zu klettern, um auf die Tribüne zu gelangen, auf der ich mich nun schon seit drei Stunden befinde, geben mir langsam aber sicher den Rest.

Beklemmungen klettern im fünf Minuten Takt immer höher. Auch wenn ich auf dem Stuhl, auf dem ich von nun an stehe, um etwas mitzubekommen mit meiner beschränkten Körpergröße, den einen oder anderen guten Klick mit meiner Kamera machen kann, so kann ich diesem Moment überhaupt nicht mehr von bewußt fotografieren sprechen. Damit ich von hinten nicht komplett überrollt werde, muß ich einen energischen Blick nach hinten werfen und das scheint mir wohl zu gelingen, denn den Sprung über den Zaun wagen die jungen Männern nun doch nicht mehr.

Nach ca. 1 ½ Stunden glaube ich einerseits genug gesehen zu haben und andererseits ist es selbst mir zu viel in dieser Menschenmasse auszuharren. Nun versuche ich ein wenig weiter die Tribüne entlang einen Ausgang zu finden. Leichter gesagt, als getan. Notausgang, komplette Fehlanzeige! Und so bleibt mir nichts anderes übrig als den Sprung über diesen Eisenzaun mit beeindruckenden Zacken zu wagen, um meinem Wunsch nach mehr Platz nachzukommen. Irgendwie schaffe ich es, mit der Hilfe von einem netten Tribünengast und lande im Palastgarten.

Hier traue ich meinen Augen fast nicht mehr. Von überall her versuchen sich Männer einen Weg über Dächer, Mauern und sonst woher zu bahnen, um näher ans Geschehen zu kommen. Die Polizeioffiziere zücken zwar hier und da mal ihre Trillerpfeife und wedeln bedrohlich mit einem Polizeistock umher, aber man kann nicht wirklich sagen, dass sie der Sache Herr werden.

Vor meinem geistigen Auge stelle ich mir vor, was wäre wenn … Nein, besser ich tue das nicht. Ich beschließe ein paar Minuten in einer „ruhigen Ecke“ ein paar tiefe Atemzüge zu nehmen, um meinen Puls runterzufahren, denn der scheint in ungeahnte Höhen gestiegen zu sein. Dann sehe ich ein Tor, in dem Massen von Menschen einen direkten Blick auf das Ausgangstor aus dem Palast haben. Ich stelle mich hinten an und so gelingt es mir tatsächlich das Ende der Elefantenparade zu erleben.

Ein schwer dekorierter Elefant mit einem goldenen Thron auf seinem Rücken trägt schwer an der Last und wird von jeweils einem kleineren Elefanten zu jeder Seite begleitet.

Dieser Situation kann ich irgendwie nichts Gutes mehr abgewinnen, denn die gutmütigen Vierbeiner tun mir einfach nur noch leid.

Plötzlich öffnet sich hier dem Ende dieses Zuges das Tor zur Paradestrecke und ich hoffe, von hier einen Ausweg nach draußen zu finden.

Weit gefehlt! Ich werde erneut von den Menschenmassen mitgerissen und bin plötzlich mitten in der Parade.

Die Polizei ist irgendwie mehr damit beschäftigt fleißig Selfies von sich und der Parade zu klicken und mit meiner Kamera scheine ich genug Eindruck zu schinden, dass die Polizei mich gewähren lässt, wahrscheinlich in der Annahme, ich sei von der ausländischen Presse.

Irgendwann schaffe ich es endlich diesem Pulk zu entrinnen und ich beschließe die erste verfügbare Rikschaw nach Hause zu nehmen. Das der Fahrer nun natürlich sein Glück beim Schopfe ergreift und mir einen astronomischen  Preis nennt, ist klar. Wir einigen uns bei 300 Rupies statt gewöhnlicher 39 Rupies, denn ich will nur noch raus aus dieser Menschenmasse.

Als ich an diesem Abend meine Bilder auf meinen Laptop lade, da weiß ich ganz genau, nur mit der Leidenschaft für den Moment entstehen die wirklich schönen Fotos. Ich komme zu der Erkenntnis, solche Großveranstaltungen in Indien demnächst zu vermeiden. YouTube hätte mir das Ganze auch live gut nahegebracht.

Am nächsten Morgen genieße ich meine Morgenklasse doppelt intensiv. Klar ist nun für mich, der Fokus liegt bei dieser Reise auf Yoga und genau das fühlt sich hervorragend an.

In dieser zweiten Woche merke ich aber auch, dass die schnellen Fortschritte der ersten Woche nun nicht mehr in dieser Intensität zu erreichen sind. Ich beginne, dies zu akzeptieren und atme mich immer tiefer in meine Asanas. Die Erkenntnis dieser Woche ist nämlich genau dies: eine gute Basis schaffen durch einen festen Stand, immer wieder im Körper zu manifestieren, dass die Wirbelsäule eine gerade Linie bilden soll, das Steißbein nach vorne geschoben werden muss, der Bauchnabel Richtung Wirbelsäule geatmet wird und die Atmung im Brustbereich und nicht im Bauch stattfindet.

Jede Zelle meines Körpers nimmt für sich in Anspruch, dieses Gefühl langsam zu etablieren. Besonders meine Hüftrotation nach vorne macht mir besonders zu schaffen und so bekomme ich immer wieder Haltungskorrekturen und den unablässigen Hinweis: „Pull your belly in!“ Da versteht hier keiner von den Trainern Spaß und ich habe längst für mich einen anderen Mahlzeitenplan entwickelt.

Um den Bauch zu minimieren, habe ich das Mittagessen von der Liste gestrichen. Somit ist auch bei der Nachmittagsstunde von 15:45 bis 17:30 Uhr kein überflüssiger Ballast in der Bauchgegend unterwegs.

Spannend ist auch meine Beobachtung auf die Bedürfnisse des Körpers. Nicht der Hauch von Wunsch ist da, trotz aller Anstrengung Belohnung durch Süßigkeiten zu geben. Ich bin glücklich mit der rein vegetarischen Ernährung im Yogadhaama, die ich als extrem abwechslungsreich und schmackhaft empfinde. Den einzigen kulinarischen Luxus, den ich mir gönne, ist hier und da mal einen leckeren Cafe Latte in einem der netten Cafes von Mysore zu genießen.

Wie es mir in dieser Woche auf meiner Matte und drum herum weiter ergeht, erzähle ich in Bälde. Danke für´s Lesen, Mitreisen und Mitfühlen. Wenn Du mir einen Kommentar hier unten hinterlässt freue ich mich natürlich sehr.

Die Menschenmenge während der Parade

Teil 5

 Am nächsten Tag geht es endlich zum ersten Mal auch für mich mit Ashtanga Vinyasa los. Nun, was heißt das genau? Hier kommt Sanskrit mit ins Spiel und eines muss an dieser Stelle gesagt sein: Ein absolutes Novum für mich ist die pure Ansage von Sanskrit Namen für alle Posen, ein selbstverständlicher Umgang mit Mantras in Sanskrit und die Erkenntnis, das Ganze hat Struktur. Na klar, jede Sprache hat Struktur. Im Sanskrit geht es einfach darum, die Wörter runterzubrechen in die einzelnen Silben und schon versteht man worum es geht. „Ashta“ bedeutet „acht“ und „Anga“ heißt soviel wie Teil des Körpers. Hier geht es jedoch mehr um die acht Bestandteile der Yoga Philosophie, wovon die reinen Asanas (Posen) nur eine Säule darstellen. „Nyasa“ heißt soviel wie „anordnen“ und „vi“ entspricht „in einen besonderen Abfolge“, mit anderen Worten Vinyasa ist nichts anderes als der „Ablauf“ oder Neudeutsch der „Flow“. Nun gut, wie dem auch sei, wollen wir es mal nicht zu kompliziert machen. Diese Art Yoga wurde in Mysore erfunden und das ist der Grund, warum es mich hier her gezogen hat.

Nach der ersten Stunde, die ich alleine auf der Matte mit dem Chart für die einzelnen Asanas im Ablauf vor mir liegen habe und die ich versuche umzusetzen, war ich komplett verloren, denn bei meinem „Kurs“ im ersten Monat geht es nicht nach dem Motto „einer turnt vor und ich kopiere“. Oh nein, finde Dich langsam selber ein und gehe spielerisch an das Thema heran und bekomme nach und nach die Details erklärt bzw. die Korrekturen an die Matte getragen. Zu spielerisch allerdings auch nicht, denn “Sir” beobachtet alles und will den Ernst erkennen können, mit dem jeder Schüler hier seinen Übungen nachgeht.

Nach dieser Stunde war ich nicht mehr ganz so sicher, ob ich den richtigen Zweig gewählt habe, aber innerlich war ich ruhig genug, um es einfach auf mich zukommen zu lassen.

Als ich nach dieser Stunde den Yoga Shala verlasse, so nennt man den Raum für Asanaübungen, spricht mich Priyanka mit ernster Miene an und sagt: „Sir wants to talk to you at 15:15 h.“ Die Verunsicherung wurde nun noch größer. Ach ja, für alle Indien Nichtkenner liest sich das mit dem „Sir“ vielleicht ein wenig sehr komisch, aber Respekt ist in der indischen Gesellschaft immer noch ein großes Thema wie auch in anderen asiatischen Kulturkreisen. Meine indische Mitstreiter im Kurs sprechen Bharat Shetty entweder mit Sir an in der direkten Anrede oder spricht man über ihn, so sollte das angehängte „ji“ am Ende des Vornamens als Ehrenbekundung nicht fehlen. Für mich als Westler ein wenig sehr steif und über Gebühr verneigend, aber andere Länder, andere Sitten und sich das ein oder andere Mal klein zu machen, ist eine wertvolle Erfahrung.

Nach meinem Frühstück mache ich mich erst einmal auf die Socken entfliehe in die Welt des täglichen Indiens, dass mich unter anderem in ein nettes Cafe mit dem Namen „Good Vibes“ entführt.

Der Kaffee hier tut Wunder und gestärkt fahre ich zurück, um meine Audienz bei Bharat-ji anzutreten.

Es stellt sich heraus, es geht einzig und allein darum, meinen Status Quo zu analysieren und wo die Reise hingehen soll, sprich was für mich meine persönlichen Herausforderungen bei Asanas sind, die ich hier definitiv meistern möchte.

Nachdem das nun geklärt ist, gehe ich entspannt in die Nachmittagsstunde und genieße die Vertrautheit der Nachmittagsserie.

Wie schnell sich doch Gewohnheiten einstellen. Ich bin meinen Platz so sehr gewöhnt, genieße Ezko, die perfekte Japanerin vor mir und Chaitenya, der flexible junge Mann mit dem Down Syndrom, der mein Herz immer wieder auf´s Neue erwärmt.  Jedes Mal, wenn eine Asana meinen Kopf in seine Richtung dreht, sehe ich wie er alle meine Bewegungen genauestens analysiert und auch teilweise kopiert. Einige Tage später erfahre ich von einer Kursteilnehmerin, die sich lange mit Kindern beschäftigt hat, die ein Down Syndrom haben, dass diese außerordentlich intelligenten und liebenswerten Menschen eine unglaubliche Gabe haben, blitzschnell alles Mögliche zu kopieren. So leuchtet mir dann auch ein, warum meine gelbe Trinkflasche von ihm in Null Komma Nichts ebenfalls kopiert wurde.

All diese klitzekleinen Dinge in meiner Wahrnehmung auf der Matte sind zwar ein kleiner Ablenker von meinem Fokus zugegebener Weise, aber sind  irgendwie auch das Salz in der Suppe bei meinen täglichen Yogastunden.

An diesem Tag werde ich zum ersten Mal den Lotussitz unter Anleitung meistern. Padmasana, so lautet der Sanskritname für den Lotussitz, bedarf einer gewissen Eingewöhnung der Muskel und Gelenke bis der Körper diese Verbingung akzeptiert und noch dazu als komfortablen Sitz akzeptiert. Mein Körper erlaubt es mir, den einen Fuß soweit anzuwinkeln, dass ich ihn  bequem Richtung Bauchnabel ziehe. Nun lege ich den anderen Fuß nicht mehr unter das angewinkelte Bein, sondern schiebe ihn direkt vor das angewinkelte Schienbein, richte meine Wirbelsäule in eine aufrechte Stellung und ziehe nun meinen Kopf runter zum rechten Knie. Hier atme ich fünf tiefe Atemzüge und schiebe mich dabei immer weiter nach unten mit meiner ganzen Wirbelsäule, so dass der Kopf immer tiefer zum Knie runtergezogen wird. Das Gleiche tue ich anschließend zur linken Seite und dann mittig nach vorne. Ich finde noch ein paar weitere Stellungen, die mir noch mehr Drehung und Biegung verschaffen. Und dann kommt der Moment, die Gelenke sind nun genügend aufgewärmt und ich ziehe endlich meinen zweiten Fuß mit tiefen Atemzügen in den Lotussitz. Hmmm, von bequem bin ich wohl noch Kilometerweit entfernt, aber ich schaffe es. Während meines ersten Versuches werde ich genau von meinem Meister und Guru dabei beobachtet und angeleitet. Er erklärt mir auch, dass es extrem wichtig ist, beim „Entknoten“ ruhig tief und bewusst in den Brustkorb zu atmen und nicht zu hastig aus der Asana rauszukommen, denn genau dabei käme es zu den meisten Verletzungen. Das verinnerliche ich und in den kommenden Tagen tun wir alles, um diese Asana für meinen Körper immer vertrauter zu machen. So schaffen wir es in der nächsten Session auch meinen ganzen Körper mit beiden verschränkten  Beinen quasi als Gesamtpaket hochzuliften, sprich ich trage mich nur auf beiden Händen. Und das nennt man Tolasana. Die Bedeutung ist Waage. Ob ich nun so in einer ausgeglichenen Waageposition bin, erschließt sich mir noch nicht so ganz. Aber die Erkenntnis wird sicher noch kommen.

An einem dieser Abende in der zweiten Woche treffe ich abends auf dem Weg aus dem Yogadhaama zu meinem Abendspaziergang in der unmittelbaren Nachbarschaft, die kleine energetische Yogalehrerin Priyanka. Sie ist ein wenig angeschlagen und irgendwie braucht sie einen kleinen Energieschub. Da hat sie ja genau die Richtige getroffen. Ich begleitet sie einen kurzen Weg zu ihrer Unterkunft, da dies auch der Weg zu dem kleinen Tempel, wo ich abedns so gerne vorbeischaue. Sie sagt mir, dass sie eigentlich leicht fiebrig ist, aber unbedingt etwas essen muss. Und dann kommt ihr Vorschlag zum Pani Puri Mann um die Ecke zu gehen. „Oh ja!“ denke ich so in einem Anfall von alten Erinnerungen an meine gute alte Bombayzeit, als ich dort für eine Zeit lang lebte. Das Restaurant findet an einem winzigen Wagen statt, der zum Schutz vor einem eventuellen Regenschauer mit einem Sonnenschirm geschützt wird. In einem großen Korb sind hunderte von kleinen frittierten Teigblasen, die mit einer Plastikplane abgedeckt sind. Vor dem Korb hat der gute Mann den Platz von ungefähr 30cm2 für seine Schnibbelaktivitäten  und einen Topf mit einer kühlen klaren Suppe. Auf einem Teller werde  Zwiebeln, Chilis, Koriander, und diverses andere geschnitten. Dann werden diese kleine Teigblasen mit diesem Mix gefüllt und jeder Kunde bekommt ein kleines Metalltellerchen, das zügig mit frisch angerichteten Pani Puris gefüllt wird. Reihum werden die Kunden bedient und setzen zu gleichen Zeitpunkt jeweils auf, damit sich der Pani Puri Wala (ein Wala ist Arbeiter, der eine bestimmte Tätigkeit verrichtet) merken kann, wie viele Pani Puris gemacht wurden pro Kunde. Nach acht Stück ist Schluss und man zahlt 20 Rupien oder gönnt sich eine weitere Runde. Priyanka ist an diesem Stand natürlich als kleine „foodie Maus“ bekannt und der Pani Puri Wala kann gar nicht glauben, dass ich die scharfe Variante gerne mit besonders viel Koriander liebe. Er hat mich wohl sofort ins Herz geschlossen und so bekomme ich bei ihm noch zwei extra Pani Puris Spezial. Dann kommt es zum Bezahlen und ich kann es gar nicht glauben, Indien ist so viel digitaler als Deutschland. An diesem Stand wird mit Hilfe eines QR Codes die Bezahlung über die APP PayTM abgewickelt. Ich kann es gar nicht glauben.

Den nächste Morgen erlebe ich energetisch komplett aufgeladen und so fühlt sich für mich dann auch die Klasse an. Heute kann ich die mir bereits vertraute Serie am Morgen auf meiner Matte erleben. Alles fühlt sich richtig gut an und ich fordere mich in jeder Asana ein bisschen mehr raus. Besonders motiviert mich mein Yogi auf der Nachbarmatte. Ein gut aussehender, junger Mann mit einem feinen Gesicht, extrem gut trainiertem Körper ohne übertrainiert zu sein, schwitzt sich jeden Tag immer tiefer in sein Matte und notiert all seine kleinen Beobachtungen, die er an sich selber feststellt. Minutiös wagt er sich von Tag zu Tag immer weiter vor und ist extrem fokussiert in seiner Art Yoga für sich zu ergründen. Das ist genau die Einstellung, die unserem Guru gefällt und so bekommt mein Nachbar irgendwie gefühlt mehr Aufmerksamkeit. „Ah, das ist es wieder das kleine EGO-Tierchen“, ich schiebe meinen Gedanken beiseite und fokussiere mich auf meine Balance, die in gewissen Asanas immer noch nicht 100%ig zufriedenstellend ist.

Aber das Wissen, dass während der Yogastunde meine starken Asanas noch kommen werden, beflügelt mich. Nach einem guten Vorbereitungselement für den Kopfstand, dem sogenannten Matsya Frida oder auch Dolphin bin ich bei meinem persönlichen Highlight der Stunde angekommen, dem Kopfstand, im Sanskrit Sirasana. Bharat-ji hat erkannt, dass ich mich sehr wohlfühle in dieser Asana und gibt mir noch ein paar winzige Korrekturen an die Hand. Um zu vermeiden, dass ich zu sehr ins Hohlkreuz gehe, werde ich für die nächsten Tage jeweils das eine und anschließend das andere Bein anwinkeln und das angewinkelte Bein mit dem Knie zu meinem Brustbereich für neuen Atemzüge bringen. So fühle ich meine Haltung in der Wirbelsäule besser nach und kann sehr gut das Gefühl entwickeln für eine absolut gerade Wirbelsäule, die nicht ins Hohlkreuz fällt. Diese Variation setzt allerdings eine gewisse Standfestigkeit in der Asana voraus.

Den restlichen Morgen möchte ich in Gokulam verbringen, einem kleinen netten Viertel in nächster Nähe. Hier befinden sich jede Menge Yoga Studios, kleine nette Restaurants und Cafes, sowie Boutiquen und natürlich Ayurveda  Shops. Hier befindet sich auch ein Shop von dem berühmten Ashtanga Yoga Guru Sri K. Pattabhi Jois und ein Ashtanga Yoga Institut, das von seiner Tochter geführt wird.

Beim Verlassen des Yogadhaama treffe ich Stefanie und frage sie, od sie Lust hat, mich nach Gokulam zu begleiten. Gefragt, getan. Ich buche über UBER eine  Rikschaw und mal wieder kann das Abenteuer beginnen. Der Fahrer ist einer der weniger freundlichen Sorte und wie aus dem Nichts hat der plötzlich unsere Zieladresse nicht mehr und fährt einfach so in der Gegend herum. Irgendwann erreichen wir den Ayurveda Doktor, den Stefanie ansteuern wollte und dann kommt die große Überraschung: statt 39 INR möchte der gute Mann 85 INR. Klar, jetzt könnten wir sagen, „Ach Gott, wir sprechen über Peanuts.“ Aber es geht hier einfach um’s Prinzip und dann bricht der Mann noch eine riesige Diskusssion vom Stapel und würzt das Ganze mit eine unangenehmen Note von Agressivität. Da bin ich raus. Diesmal lasse ich das Stafanie handeln und den Ayurvedadoktor, der uns zur Hilfe geeilt ist. Fazit: 80 INR und ein fader Geschmack, der zurückbleibt. Dies sind die Momente, die einem besonders als Westler immer wieder begegnen. Eigentlich weiß ich das seit so langer Zeit, aber mein Gerechtigkeitssinn fühlt sich extrem irritiert und meine Yogaruhe, die ich versuche tief zu verinnerlichen, gestört.

Ich besänftige mich mit einem guten Kaffee in einem netten Cafe in der Nähe, statte meinem Lieblings Saftladen in der Nähe noch einen Besuch ab und nach einem guten Chico Saft ist meine Seele wieder im Lot. Chico ist eine Frucht, die man hier in Region findet. Äusserlich ähnelt sie ein wenig einer Kiwi. Das Fruchtfleich hat eine angenehm feste Konsistenz und der Geschmack ist leicht nussig. Ich bin definitiv Chico-süchtig!

In der heutigen Nachmittagsstunde spüre ich einen weiteren guten Schritt nach vorne und merke wie sich mein Becken-Hüft-Bereich weiter öffnet. Dies ist das Eintrittsticket für die Vertiefung in viele andere Asanas und ohne ein so intensives tägliches Training kaum zu erreichen.

Am Abend mache ich einen kleinen Abstecher zum Flybus Ticket Couter. Urmal nimmt mich dorthin mit, damit ich weiß, wie ich für meine Rückreise dieses Ticket ohne fremde Hilfe selber organisieren kann. Hochmoderne Busse mit WLAN, AC und sogenannten Single Ladies Seats sind für kleines Geld buchbar und bringen einen zuverläßlich über größere Distanzen im Süden.  Was hat es mit diesen Single Ladies Seats auf sich?  Nun, man kann gewiß sein, dass man nicht von einem alleinreisenden Mann belästigt werden kann. Ich finde das ist eine gute Herangehensweise, um Frauen mehr Freiheit beim Reisen zu verschaffen. Dazu bekommt man bei der Buchung die Telefonnummer des Busfahrers mitgeteilt, um bei Verspätungen nachhaken zu können und es wird garantiert, dass der Fahrer Englisch spricht. Das nenne ich mal eine wirklich gute Innovation. Einziger Nachteil, mir ist es trotz indischer Telefonnummer immer noch nicht gelungen meine Buchung online machen zu können, aber zu perfekt muss es ja auch nicht sein.

Nach diesem kleinen Ausflug gönnen wir uns erst einmal ein paar Pani Puris. Ich bin auf den Geschmack gekommen und Urmal steigt dabei gerne ein.

Angereichert mit unendlich vielen Eindrücken von diesem Tag falle ich glücklich ins Bett und weiß, nun muß ich mich mit dem Schlafen wirklich beeilen, denn der Samstag hält für mich etwas Besonderes bereit: eine 5:30 Uhr Ashtanga Vinyasa Klasse mit den angehenden Lehrern des Oktoberkurses.

In dieser Nacht gibt der Hund im Haus gegenüber mal wieder alles. Trotz Ohrstöpsel dringt sein Kläffen über die ganze Nacht im Ohr zu mir durch. Das kostet Kraft und was am anderen Morgen bevorsteht noch viel mehr.

Der Yogashala ist bis fast bis auf die letzte Matte gut besucht. Zwei Reihen vor mir ist Bibo, einer der Assistententrainer auf der Matte. Ich finde mich in der Ruhe des Morgens auf der Matte ein. Draußen ist es um diese Zeit noch dunkel und ruhig. Selbst der Hund hat sich endlich beruhigt.

Nachdem ich mich mit Atemübungen auf meine Stunde vorbereitet habe, nehme ich in der bequemen Position Platz, lege meine Hände in Chin Mudra auf die Knie, schließe meine Augen und atme ruhig ein und aus. Und genauso tun es meine ‚Mitschwitzer’.  Bharat-ji kommt als Letzter in den Yogashala, nimmt auf der für ihn ausgerollten Matte Platz und beginnt mit dem chanten der Morgenmantra. Satz für Satz wiederholen wir Schüler das im Chor und eine nicht zu bestreitende Energie durchflutet den Raum. Dann geht es los. Alle nehmen die erste Position ein, Tadasana (Eine Stehposition, bei der die Füsse beieinanderstehen und ein festes Fundament bilden. Die Arme liegen eng am Körper und die Wirbelsäule ist gestreckt, die Augen blicken nach vorne und der Atem bleibt ruhig und stetig. Das Steißbein ist leicht nach vorne gezogen und der Bauchnabel gegen die Wirbelsäule geatmet.).

Von nun an geht alles nur noch mit Sanskritworten und zählen in Sanskrit. Daraus sollte dem Schüler klar sein, wann ein- und wann auszuatmen ist.

Nun kann ich zum ersten Mal den kompletten Ashtanga Vinyasa Ablauf in Gänze erspüren und euphorisch orientiere ich mich an Bibo. Das klappt! Irgendwann gegen Ende der Session kommt Bharat-ji bei meiner Matte vorbei und ist offensichtlich beeindruckt zu welchen Asanas ich heute Morgen in der Lage bin. Ich bekomme zwei Daumen hoch und das macht mich an diesem Morgen besonders glücklich.

Dieses Frühstück habe ich mir an diesem Morgen gefühlt doppelt verdient.

Für den Nachmittag gibt es noch einmal eine Besonderheit. Ein sogenannter Meditation Walk in absoluter Stille steht auf dem Plan. Um Punkt 16:00 Uhr findet sich die komplette Truppe ein. In einem kurzen Briefing gibt Bharat-ji die Details über den Ablauf bekannt. Wir werden von einem Assistenztrainer angeführt. Diese Aufgabe übernimmt Ankur und die Ansage ist klar, wir haben hinter ihm zu bleiben und auf gar keinen Fall zu überholen. Im Mittelfeld übernimmt Priyanka die Rolle, keinen zu verlieren und die Nachhut bildet Bibo. Zwei Stunden Gang durch die Natur von Mysore oder zu reden und dabei nur sich und die Natur zu beobachten. Krönender Abschluss ein Gruppenbild.

Besonderheit, wir laufen vom Yogadhaama los und zunächst geht es entlang einer Strasse, die zur Zeit im Umbau ist. Nachdem wir den Campus der Mysore Universität hinter uns gelassen haben, kommen wir zu dem Lake Kukkarahalli. Hier wandern wir einmal rund herum. Nicht das ich das nicht schon selber erkundet hättet, aber darum geht es ja auch nicht. Für alle uns Entgegenkommenden  muss es wohl ein wenig komisch wirken, diese stille Meute zu beobachten.

Ich tue mich schwer, mich dem Tempo von Ankur anzupassen, denn gerne würde ich etwas schneller laufen, um in meiner natürlichen Geschwindigkeit zu laufen. Aber wieder einmal wird mein EGO herausgefordert und ich bleibe ein Schatten von Ankur. Chaitanya hat sich nicht nur an meine Fersen geheftet, nein, er ist nun gleich auf mit Ankur und genießt seine Position ganz offensichtlich. Und schon wieder hat dieser junge Mann mein Herz erwärmt.

Als wir den See einmal umrundet haben, treffen wir alle auf an einer Mauer ein, von wo wir einen schönen Blick auf den ganzen See haben. Un d genau dies ist auch der Ort für unser Gruppenbild, das Ankur hervorragend in Szene setzt.

Es bleibt natürlich keine Überraschung, dass Chaitanya bei diesem Bild neben mir sitzt und darüber freue ich mich persönlich ganz besonders.

Von nun sind wir wieder frei zu sprechen und können unseren Rückweg auch ganz unseren individuellen Wünschen entsprechend gestalten.

Ich komme mit Harjeet ins Gespräch. Haji wie sie auch kurz genannt wird, ist eine sehr niedliche Kanadierin mit indischen Wurzeln, die gerade auf der Reise zu ihren genetischen Wurzeln ist und sich dafür einige Monate Zeit genommen hat.

Schnell sind wir in ein Gespräch über Gott und die Welt vertieft und haben uns Gruppe längst aus den Augen verloren, als wir plötzlich vor einem schönem alten Palast stehen, der in warmes Spätnachmittaglicht getaucht ist. Magisch werden wir in die Flure dieses Gebäudes reingezogen und sofort wird mir das Potential dieses Gebäudes für spannende Fotos bewusst. Gleich in dem Anschluss an diesen Palast ist das Folklore Museum untergebracht. Es ist um diese Zeit natürlich schon längst geschlossen, aber ich beschließe in den kommenden Tagen an diesen Ort zurückzukommen.

Von hier aus gelangen wir problemlos auf den Campus der Mysore Universität und völlig problemlos können wir die verschiedenen Fakultäten betreten. Bei der Fakultät für Erdwissenschaften entdecken wir im Innenhof jede Menge kategorisierte Gesteinsproben und einen riesigen Dinosaurier. Unglaublich, was man hier alles entdecken, wenn man nur bereit ist, die Augen aufzumachen.

Als wir endlich am Yogadhaama ankommen, kann ich meinem Heißhunger auf Pani Puris nicht widerstehen. Was für ein Tag!

Blütenzauber

Teil 6

Das zweite Wochenende oder sagen wir besser einmal der zweite freie Yogatag konnte kommen. Ich wachte morgens mal wieder viel zu früh auf zumindest für einen Sonntag. Die Routine im Frühaufstehen macht sich langsam breit. Ich mache mich fertig für den heutigen Tag, der definitiv mal wieder etwas Besonderes werden soll. Ich ziehe meine neue Lieblingsyogahose an mit dem passendem Top, schnappe meine Fototasche und schon bin ich auf dem Weg nach draußen. Nach einem abkühlenden Regen in der Nacht fühlt sich Luft angenehm an, wenn auch die Luftfeuchtigkeit einen heißen Tag erwarten lässt. Ich nehme meinen Weg zum See diesmal vorbei am Institute of Speech and Hearing, laufe ein Stück entlang der Straße bevor ich in eine kleine Straße abbiege, die wunderschön tropisch begrünt ist und in dieser Straße stehen diverse Bungalows die leicht verwittert Bauhaus-Elemente aufweisen und irgendwie mächtig Charme haben. Bald erreiche ich von hier aus einen Seiteneingang zum Kukkarahalli See. Was hier morgens immer schon los ist, besonders an Sonntagen kann man sich kaum vorstellen. Inder lieben es morgens einen Spaziergang zu machen oder auch dabei die etwas sportlichere Variante einzuschlagen. Gerne wird diese Gelegenheit auch genutzt mit Freunden oder Familie einen netten Plausch dabei zu halten und die Morgenfrische zu genießen.

Auf dem See entdecke ich Pelikane, Fischreiher, Kormorane, die viel größer sind als unsere gemeinen deutschen Ostseekormorane, Milane und sogar Kingfisher. Ich kriege mich kaum ein und genieße die Stimmung bis in die letzte Synapse meines Körpers.

Mit offenen Augen nehme ich meine Umwelt und Mitmenschen wahr und so werde ich in meiner Andersartigkeit auch wahrgenommen. Schnell erlangt man hier Wiedererkennungswert und wird dann auch freundlich gegrüßt, sofern man natürlich freundlich lächelt. Ich liebe dieses nette, aufgeschlossene Miteinander, das mit einer Prise aufgeweckerter Neugierde angereichert ist.

Als ich fast den See umrundet habe, erreiche ich die Stelle mit den Holzbooten, die ich mir für mein Fotoshooting mit Priyanka, der Yogatrainerin, ausgesucht habe. Kaum haben wir uns getroffen, beginnen wir gleich mit den Fotos. Eine gewisse Aufregung hier in der Öffentlichkeit die Asanas gut in Szene zu setzen, bedeutet natürlich auch ein für indische Verhältnisse eine etwas freizügige Bekleidung. Priyanka setzt volles Vertrauen in mich und so gibt sie in jeder Asana alles was ihr ohnehin extrem flexibler Körper hergibt. Wir grooven uns in die Möglichkeiten der Location rein und so entstehen wunderschöne Momente, die Priyanka zu immer neuen Inspirationen verleitet. Als ich ihr dann von dem Plan erzähle, die Holzboote fotogen zu verwerten, wird sie ganz nervös. Wasser ist überhaupt nicht ihre Materie und mit dem Schwimmen ist das auch so eine Sache. Ich kann ihr glaubhaft versichern, dass diese Boote sie problemlos tragen werden und sie nun dem Thema Balance eine neue Dimension verleihen kann. Gesagt, getan! Mit einer Portion unerstütterlichem Urvertrauen wagt sie sich in immer anspruchsvollere Asanas vor und kann anschließend gar nicht fassen, es getan zu haben.

Jetzt haben wir uns aber erst einmal ein gutes Frühstück verdient und ich schlage ein von mir recherchiertes Restaurant vor, das besonders für seine lokalen Spezialitäten bekannt ist. UBER muss mal wieder herhalten, eine Rikscha ist in wenigen Minuten bei uns und schon sind wir auf dem Weg zu „Madesh Prasad“. Der Laden ist bumsvoll und dennoch gelingt es uns irgendwie einen Platz zu ergattern. Das Masala Dosa ist schnell bestellt und ein Südindischer Kaffee darf natürlich auch nicht fehlen. Der Kaffee ist in der Regel gut gesüßt und mit einem ordentlichen Schuss Milch versetzt. Der Ruf des Restaurants ist wohl verdient und Priyanka gönnt sich eine weitere Portion, denn schließlich hat sie in der Morgenstunde schon kräftig Kalorien verbrannt.

Für den Nachmittag habe ich mir das Folkore Museum und den angrenzenden, morbiden Palast vorgenommen. Das Licht hat schon langsam an Intensität verloren und die Landschaft in eine warme Stimmungsdecke gehüllt. Zusammen mit Priyanka suchen wir uns den idealen Hintergrund für den Teil 2 unseres Fotoshootings. Ein Wachmann, der das Gelände vor unflätigen Besuchern schützen soll, will uns zwar initial des Platzes verweisen, aber irgendwie findet er interessant, was er zu sehen bekommt und ich lasse mich auch in keiner Weise von seinem Machogehabe beeindrucken und tue einfach so, als täte ich das Normalste der Welt.

Wir genießen die warme Nachmittagsstimmung und Priyanka läuft zur Höchstform auf. Sie lässt sich von meinen ausgesuchten Locations inspirieren und will das perfekte Bild liefern. Nach 2 Stunden habe ich alles im Kasten und die eine oder andere Asana möchte ich natürlich auch für mich dokumentiert haben, aber an das Niveau von Priyanka komme ich noch lange nicht heran.

Wir schließen den Abend mit einem Abendessen in der Nähe des Yogadhaamas, wo wir noch eine liebe Schülerin treffen, die ganz alleine ihr Abendessen dort genießt. Mareen ist aus Holland und hat ihr Herz auch an Indien verloren. Sie erzählt uns, dass sie für sich nach einer Möglichkeit sucht, hier in Indien permanent leben und arbeiten zu können. Mein Interesse ist geweckt und nun will ich selbstverständlich alles wissen. Mareen hat für eine NGO in Bangalore gearbeitet, die sich mit Kindern beschäftigt, die ein Down Syndrom haben. Dann ist sie auf den Reiki- und Yogazug aufgesprungen und sucht nun nach ihrem Weg für immer in Indien bleiben zu können. Nicht einfach, aber so fokussiert wie sich Mareen gibt, wird es ihr wohl gelingen.

Ich bin immer wieder fasziniert, wie Menschen ihren persönlichen Weg suchen und eine Vision haben, die sie glücklich macht. Ich bin sicher nur so kann es gehen.

Als ich an diesem Abend noch schnell die Fotos auf meinen Laptop lade, gehen mir die Ereignisse des Tages noch einmal ganz intensiv durch den Kopf und besonders freue ich mich über Priyanka´s Enthusiasmus, als sie nur allein die zusätzlich mit dem Handy geschossenen Fotos von mir schon einmal zugeschickt bekommt und bereits im 7. Himmel ist. Ich gebe zu, ich freue mich über das ein oder andere nette Foto, was tatsächlich auch einmal von mir entstanden ist.

Glücklich und erfüllt, falle ich an diesem Abend ins Bett und selbst der Kläffer von gegenüber hat keine Chance mehr, mein Ohr zu erreichen.

Blüten im Morgentau
Bhuja Vrikaschana
In der Nähe des Folklore Museum
Kakasana
Kakasana
Virbhradrasana
Ek Rajkapotasana
Ek Rajkapotasana
Samakonasana
Ardha Chakrasana - Rückenbeuge
Chakrasana
Freestyle
Bhujangasana
Chaturanga Dandasana
Priyanka im Vinyasa Flow
Erfrischende Blüten im Grünen
Blüten im Morgentau

Teil 7

Die kommende Woche merke ich, wie sich langsam aber sicher der dezente Tiefenschmerz bemerkbar macht. Nun, vielleicht ist Schmerz nicht ganz der richtige Ausdruck, aber definitiv sagt mir jeder einzelne Muskel, den ich vorher noch nie zu diesen Höchstleistungen herausgefordert habe, was er über meine Aktivitäten auf der Matte denkt.

Einerseits wünsche ich mir nun natürlich noch mehr Herausforderung, andererseits weiß ich aber auch zu genau, dass ich meinen Körper nicht überstressen sollte, denn jeden Tag gebe ich mir 4 Stunden insgesamt auf der Matte. In dieser Woche folgen die morgendlichen Yogastunden einer alternierenden Abfolge: Montag, Mittwoch, Freitag gehe ich durch die sogenannten Ashtanga Serien und Dienstag, Donnerstag gehe ich noch einmal durch die Vorbereitungsserien, die leicht „abgespeckte Asanas“ im Angebot haben und bei denen der Vinyasa Flow noch nicht integriert ist. Das heißt mit anderen Worten, zwischen den einzelnen Asanas oder bestimmten Gruppen gibt es eine Art gesprungenen Flow, der so leicht wie eine Feder aussehen sollte. Das folgt einem ganz bestimmten Atemrhythmus und die Asanas zwischen den Flows werden für 30 bis 60 Sekunden gehalten. Für alle nicht Yogis heißt das mit anderen Worten: jede Menge Schweiß, man sollte wissen, was man tut, um sich fokussiert, balanciert in die Bewegung einzufinden und idealer Weise morgens früh durchstarten, wenn das gute, alte Gehirn noch nicht die Zeit gehabt hat, um sich mit der Welt zu beschäftigen. Ganz wichtig ist natürlich ein leerer Magen und optimale Ergebnisse zu erzielen.

Jeden Samstag folge ich nun um 5:30 Uhr morgens dem intensiven Training des Trainerkurses. Hier dreht der Chef dann noch einmal persönlich auf und das Energiefeld ist spürbar deutlich erhöht.

In dieser dritten Woche haben wir eine neue Teilnehmerin in der Gruppe. Urmal hat ihre Mutter nach Mysore geholt, um ihr einerseits das Thema Yoga näher zu bringen und andererseits zu eröffnen, was es heißt frei von Familie zu reisen. Ich habe das dumpfe Gefühl, ich war für sie eine kleine Inspiration.

Die Mutter ist noch sehr traditionell erzogen und so scheut sie sich davor in Sportsachen zu erscheinen. Auf der Website von INDEA Yoga steht ja schließlich auch nur etwas von komfortabler Kleidung. In diesem Fall ist das eine Art lockere Legging und länger geschnittene Bluse. Auch wenn ihre Tochter bereits eine ganz erfolgreiche Yogalehrerin ist, die sich hier in Mysore einen weiteren Schliff abholt und schon zum dritten Mal hier zum Yogadhaama kommt, so ist auch für diese Mutter das Gras grüner auf der anderen Seite. Yogastunden bei der eigenen Tochter ist also erst einmal inakzeptabel. Noch dazu ist sie zum ersten Mal in 32 Jahren ohne ihren Ehemann unterwegs auf Reisen. Das bedarf natürlich erst einmal einer kleinen Eingewöhnungsphase.

Am zweiten Tag sitzt Urmal somit auch ganz geknickt in der Audienzstunde bei Bharat-Sir am Tisch und klagt ihm verzweifelt ihr Leid, was sie wohl nun mit der Mama machen soll. Väterlicher Rat ist nicht weit entfernt und so tröstet der Meister Urmal und erklärt ihr schnell wie das mit Frauen in dem Alter ihrer Mutter aussieht und dass sie sicher am Ende Ihrer Zeit hier Mysore gar nicht mehr gehen werden wolle.

Hmmm, ganz schön weit gesprungen! Das werde ich mal im Auge behalten.

In dieser Woche nehme ich immer wieder die Chance wahr, sobald ich auf das Mutter-Tochter-Gespann stoße, die Unterhaltung mit Urmal`s Mutter anzustoßen. Dummerweise spricht sie natürlich kein Englisch und mit Hindi kann ich nun aber auch nicht aufwarten. Wir schaffen es aber dank der Übersetzungen von Urmal hervorragend die Kommunikation in Gang zu kriegen und so können wir uns in den folgenden Tagen ein gutes Bild von der jeweils anderen Seite machen.

Nachdem ich das Folklore Museum am Sonntag schon von außen bewundert habe, kann ich es kaum mehr abwarten, in das „heilige“ Innere zu kommen. So mache ich mich eines Mittags dazu auf, dieses Gebäude etwas genauer zu erkunden. Kaum bin ich dort angekommen, trage ich mich in das Gästebuch ein und will gerade starten, da fällt der Blick des Eingangsmitarbeiters auf meine Fototasche. Sofort bekomme ich die Ansage: “No camera, madam!“ So schnell will ich mich aber in diesem alten Schuppen nicht geschlagen geben. Unverblümt frage ich freundlich lächelnd: „Why?“ Antwort: „Madam, that`s the rule.“ Aha, denke ich mir so. Regel ist aber noch kein Grund und so frage ich ganz investigativ weiter: „Well, and what is the reason?“ Ich komme aber trotz aller Hartnäckigkeit nicht weiter, schlucke meinen Groll über soviel Borniertheit runter und verlasse enttäuscht das Museum. „Nun, dann eben ein anderes Mal,“ denke ich so bei mir und mache mir zumindest die Mühe das Gebäude, was mich irgendwie in den Bann gezogen hat, von außen zu umrunden. Dabei denke ich so, was für eine Schande, diese alten historischen Denkmäler so verrotten zu lassen. Dieses Land hätte deutlich noch mehr Potential, wenn man nur die Mittel richtig einsetzen würde. Aber es liegt nicht an mir darüber zu urteilen und so lasse ich es an diesem Tag bei dieser Erfahrung.

An diesem Abend mache ich wie üblich nach meiner Nachmittagssession den kleinen Gang in meiner  unmittelbaren Nachbarschaft. Dabei kann ich es einfach nicht lassen, diesen süßen kleinen Tempel ganz in der Nähe zu besuchen. An diesem Abend braut sich ein richtig gewaltiges Gewitter zusammen und die grauen Wolken schieben einen kräftigen Wind vor sich her. Als ich am Tempel angekommen bin, treffe ich auf ein paar Frauen, die gerade in einer Pooja (Zeremonie) vertieft sind, mich aber wahrnehmen und gleich das Gespräch suchen. Standardmäßig will man wissen, woher ich kommen, was ich hier mache, ob ich vielleicht gleich auch meine Telefonnummer geben möchte, damit man den Austtausch vertiefen kann. Irgendwie echt süß, aber auch nicht so einfach aus diesen Anbandelungen wieder herauszukommen.

Als ich auf dem Rückweg fast am Yogadhaama bin, schaffe ich es noch soeben, trockenen Fußes ins Haus zu kommen und dann öffnet der Himmel seine Tore sperrangelweit auf. Irgendwie schön und eine willkommene Abwechslung.

In dieser Woche stagniere ich mit meiner Leistung einerseits, aber andererseits bauen sich die Muskel langsam aber sicher immer mehr auf. Ich würde mir wünschen, der Erfolg wäre noch deutlicher sichtbar, aber immer wieder kommt „Sir“ bei mir vorbei, gibt mir kleine wertvolle Tips und bestärkt mich in meinem Tun. Nun, was soll er auch anderes tun?

Blick auf das hintere Tor des Folklore Museums
Blick in den Hinterhof des Folklore Museums
Blick auf den Eingang zum Folklore Museum
Blick auf das hintere Tor des Folklore Museums

Teil 8

Da mir mit vorschreitender Zeit immer klarer wird, dass ich den Oktober mit meinen Freiräumen voll auskosten muss, bevor mein „Ernst des Yogalebens“ im November startet, mache ich mich am Mittwoch auf den Weg zu Lalitha Mahal Palace Hotel. Dieses alt ehrwürdige Hotel liegt am Rande der Stadt Mysore und ich habe es schon bei meinem allerersten Besuch nachhaltig in Erinnerung gehabt.

Schnell springe ich nach meiner Yogasession und einem Frühstück in eine Rikschaw und ca. 20 Minuten später bin ich mit meinem Fahrer an der Pforte angekommen. Hier hat sich einiges geändert! Das wird mir sofort klar, als der Rikschawfahrer von 2 Wachmännern des Hotels angehalten wird. „Madam, do you want to come for coffee only?“ (Madam, kommen Sie nur auf einen Kaffee vorbei?) „Na klar,“ denke ich so bei mir. Würde ich mir die horrenden Preise dieses alten Schuppens leisten wollen, käme ich wohl kaum in einer Rikschaw daher.

An dieser Stelle muss ich für alle meine fleißigen „Mitreisenden“ klarstellen, dass bei einer Indienreise für mich ganz wichtig ist, ins richtige Leben einzutauchen und möglichst so wähle ich auch immer meine Unterkünfte: einfach, sauber und mitten im Geschehen. Ich will halt immer die „volle Ladung Indien“ erleben und nicht die 5-Sterne-Blasen. Das ich dabei natürlich – wie anfänglich in Bangalore – die ein oder andere Bauchlandung mache, nehme ich schmerzlich in Kauf und irgendetwas muss ja auch zu erzählen bleiben. So schaffe ich es auch diverse Reise hierher unternehmen zu können, ohne mein Budget überzustrapazieren. Ehrlicher Weise muss ich zugeben, dass diese Art des Reisen nicht unbedingt für Anfänger geeignet ist, oder Menschen, die unbedingt einen westlichen Standard wünschen.

Doch kommen wir zur meiner Palaststory zurück. Höflich entgegne ich den beiden Wachmännern: „Absolutely!“ Flux bekomme ich den Hinweis, dass ich in diese Fall 150 INR (ca. 2 Euro) zu enrichten habe, aber dafür auch den Kaffe umsonst dazu bekomme. Nun, den Kaffee hätte ich mir doch so oder so gegönnt. Ich überreiche mein Eintrittsgeld und zu meiner absoluten Verwunderung lassen die Wachmänner den Rikschawfahrer mit seinem dreirädrigem Gefährt auf das Hotelgelände einfahren. Selbstverständlich habe ich mit dem Fahrer längst vereinbart, dass er auf mich warten soll und anschließend unsere gemeinsame Reise weitergeht.

Ich springe kurz nach dem Eingangstor von der Rikschaw und muss erst einmal ein paar Außenaufnahmen von dem historisch imposant anmutenden Gebäude machen. Als ich begeistert die Stufen zum Hoteleingang hochsprinte, werde ich von einem typischen indischen Concierge in Empfang genommen. Elegant faltet er seine Hände vor seiner Brust und mit sonorer Stimme schleudert er mir ein freundliches Namaste entgegen, welches ich in gleicher Weise erwidere. Doch dann nimmt auch hier das Fotoschicksal seinen Lauf. Der gute Mann entdeckt meine Kamera und prompt bekomme ich den  Lieblingssatz zu hören. „Madam, no camera, only smartphone.“

Das muss mir mal einer erklären! Es gibt mittlerweile so unglaublich gute Handies auf dem Markt, die eine sensationelle Auflösung haben und durchaus auch professionell genutzt werden können. Und nur weil meine Kamera professionell genug und vor allem groß genug aussieht, habe ich mal wieder das Nachsehen. Nach einer kleinen Diskussion verweist er mich zum Management, aber mein Fotoappetit ist längst verschwunden. Ich packe die Kamera ein und beginne meinen Gang durch die heiligen Hallen.

In der Lobby wird das Bild von einer imposanten Marmortreppe bestimmt, die nur bis zum ersten Absatz für nicht Hotelgäste begehbar ist. Okay, das kann ich nachvollziehen, denn als Gast des Hauses würde ich auch meine Privatsphäre haben wollen.

Auf meinem weiteren Weg durch das Erdgeschoß komme ich in einen riesigen Saal, der sich hervorragend für diverse Events umgestalten lässt. Das Parkett ist zwar schon mächtig in Mitleidenschaft gezogen, aber die Wandbemalung überstrahlt einfach alles. Ein kräftiges Türkis, das nur von heftigem weissen Stuckarbeiten unterbrochen wird. Die Fenster weisen diverse farbenfrohe Glasmalereien auf und werfen ein schönes warmes Licht in diesen Raum.

Hier beschließe ich, dass meine Kamera wieder zum Einsatz kommen darf und schamlos lege ich los.

Der nächste imposante Raum ist der Frühstücksraum, der ebenfalls ein riesiger Saal ist. Fast könnte man glauben, in einem Opersaal gelandet zu sein und übermäßige Opulenz ist auch hier das Mantra. Hier ist die vorherrschende Farbe ein kräftiges Babyblau und die Höhe dieses Saales wird unterstrichen durch einen balkonartigen Rundgang in der 1. Etage, von wo aus man einen Blick in den Saal genießen kann. Aber mit dem Babyblau schien man noch nicht genügend Blau ins Bild gebracht zu haben und so sind die Tischdecken in einem indigoblau gewählt und die wahrscheinlich alten Holzstuhllehnen mit weißen Stoffhussen geschützt. Das muß man wollen!

In dem Vorraum zum Frühstücksraum bekomme ich dann meinen ausgezeichneten Kaffee serviert und danach ist mein Bedarf für Opulenz erst einmal wieder gedeckt.

Jetzt brauche ich einen Ausgleich und da auf dem Weg nach Hause die wahrscheinlich modernste Mall liegt, mache ich einen kleinen Abstecher dorthin. Die Ausbeute ist zwar mager, aber was will man machen, wenn das Fluggepäck so eine dumme Beschränkung hat, zumindest ohne Aufzahlung. Hier gönne ich mir noch einmal einen richtigen Cafe Latte und reicher an Eindrücken fahre ich nach Hause, denn meine Nachmittagsstunde ist schließlich auch noch zu bewältigen.

 

Lalitha Mahal Palace Hotel
Treppe in der Lobby vom Lalitha Mahal Palace Hotel
Lalitha Mahal Palace Hotel
Flur im Lalitha Mahal Palace Hotel
Blauer Saal im Lalitha Mahal Palace Hotel
Grüner Saal im Lalitha Mahal Palace Hotel
Lalitha Mahal Palace Hotel

Teil 9

An diesem Abend merke ich zu ersten Mal, welchem Stress die Teilnehmer des TTC (Teacher Training Course) ausgesetzt sind oder sagen wir besser mal, was sie sich selber für einen Stress machen.

Ich treffe Haji nach dem Abendessen in der Yogadhaama Lobby und kann ihre Anspannung förmlich hautnah spüren. Ich lade sie auf einen Abendspaziergang in der Nachbarschaft ein und dankbar nimmt sie an. Puh, da merke ich, dass der Lernstress kontinuierlich aufgebaut wird und der Tagesablauf während des TTC an den Nerven zehrt. Ich beobachte auch, dass die Teilnehmer von Woche zur Woche dünner werden und das liegt nicht am Essen!

Haji genießt das ganz andere Gespräch am Abend und die kleinen, indischen  Normalitäten, die uns unterwegs an jeder Ecke begegnen. Da Haji zwar indische Wurzeln hat, aber in Vancouver aufgewachsen ist, kann sie sich genau wie ich, über all diese kleinen Kuriositäten freuen und köstlich amüsieren.

So kommen wir in einer kleinen Straße plötzlich unerwartet an ein Tor vor dem eine Gruppe Kühe liegt und genüsslich auf Gras rumkaut. Eine ältere Frau sitzt in unmittelbarer Nähe und gestikuliert mit einem Mal ganz wild und will uns irgendetwas zu verstehen geben, was wir beide aber nicht verstehen. Doch dann kommen drei Jungens zur Hilfe. Diese ca. 12 jährigen Jungens sind ebenfalls ganz aufgeregt. Der Quirligste der Truppe gibt uns mit einer Handbewegung, die darauf schließen lässt, dass er gleich jemandem die Kehle durchschneiden möchte, zu verstehen, dass dort die Toten sind. Aha, jetzt kommen auch wir mit: ein Friedhof, den wir besser nicht betreten sollen.

Es ist schon irre, wie man sich doch immer wieder irgendwie verständigen kann und dann auch irgendwie jede Menge erfährt.

Amüsiert treten wir beiden den Nachhauseweg an und so ist es mir wohl für einen Augenblick gelungen Haji ein wenig vom Lernstress ablenken zu können.

Am nächsten Tag starte ich energetisch auf der Matte durch und ich fühle ganz deutlich, dass kein Tag wie der andere ist. Speziell gegen Ende der Woche ist die Energie ein wenig reduziert und die Motivation sich Höchstleistung zu treiben gelingt nur durch einen guten Lehrer. Doch was macht einen guten Lehrer aus, frage ich mich.

Nun, definitiv ganz viel Wissen über die körperlichen Befindlichkeiten und Einschränkungen von Menschen in verschiedenen Situationen, genaues Wissen darüber, was die einzelnen Asanas ausmacht, wie man sie runterbricht von der einfachsten Variante bis hin zur fortgeschrittensten Variante. Mit wenigen Worten maximal veranschaulichen, worauf es ankommt. Dabei sind ganz kleine Handgriffe, das Korrigieren durch ein Drücken eines Körperteiles in die richtige Richtung, Handbewegungen, die andeuten, das zum Beispiel der Bauch eingezogen werden muss oder das Steißbein nach vorne gezogen werden muss ganz entscheidender Bedeutung. Ein guter Trainer beobachtet seine Schüler ganz genau und kennt die Grenzen der Schüler bzw. wann man weiter vertiefen kann und wann es besser ist, noch etwas zu warten. Der vorsichtige Umgang mit den schwachen Körperteilen wie Hals, Gelenke und Wirbelsäule und nicht zu verachten eine gute, motivierende Stimme, der man gerne folgt. Für mich ist in Indien ganz besonders interessant zu beobachten, dass Lehrer hier keine Vorführung der Asanas machen, sondern die Schüler so eingeführt werden, dass sie wissen was zu tun ist und der Lehrer nur Anweisungen gibt und wachen Auges durch die Klasse geht, um die Korrekturen vorzunehmen.

Da in Indien Menschen gewöhnlicher Weise auch in größeren Mengen auftreten, so tun sie das auch in Yogaklassen, besonders, wenn der Lehrer ein gewisses Renommee hat. So ist es absolut normal, dass der Oberguru seine sogenannten Assistenztrainer hat, die Korrekturen ebenso vornehmen und im Falle der kompletten Unkenntnis auch mal die eine oder andere Asana am Platz vorführen.

Das alles macht für mich mit zunehmendem Gewöhnungsfaktor einfach nur Sinn. Denn wie will ein guter Trainer, der immer alles vormacht oder sogar mitmacht, mehrere Klassen am Tag absolvieren? Nun, das geht, aber bei richtigem Einsatz bleibt irgendwann der Schüler oder der Lehrer auf der Strecke.

In dem Fall von meinem selbstgewählten Guru, bin ich noch dazu auf etwas ganz Interessantes gestoßen.

Während ich mal wieder versuche in den Lotussitz, Padmasana, zu kommen und mich dabei immer noch sehr schwer tue, kommt „Sir“ eines Nachmittages zu mir und erklärt es mir noch einmal ganz genau und bis ins Detail. Dabei legt er besonders viel Wert auf eine gute und intensive Vorbereitung. So lege ich den rechten  Fuß in den Schoß, so dass der Fuß ganz in der Nähe des Bauchnabels ist. Das andere Bein ist zunächst gestreckt und der Fuß des ausgestreckten Beines aktiviert, sprich in einem 90 Gradwinkel zum Bein, so als würde man auf dem Bein stehen. Dann wippt man das angewinkelte Bein im Atemrhythmus rauf und runter um mehr Flexibilität zu erreichen. Danach wird dieses Bein in die andere Richtung angewinkelt, sprich das Schienbein liegt nun neben dem Oberschenkel und man geht mit dem Kinn in Richtung angewinkeltes Knie und atmet dort für 5 Atemzüge. Danach schlägt das angewinkelte Bein wieder über das ausgestreckte Bein, zieht das Bein hoch Richtung Brustbereich und wiegt dieses angewinkelte Bein nun mit beiden Armen, als würde man ein kleines Kind im Arm haben. Dann geht man in den Schneidersitz und zwar so, dass ein Fuß im Schoß liegt, möglichst nah zum Bauchnabel, also quasi schon eine Seite im Lotussitz ankommt und legt den anderen Fuß vor das Schienbein. Nun atme ich mich wieder zum einen und anderen Knie, versuche mit jedem Atemzug tiefer zu kommen und gehe dann nach vorne und auch hier gehe ich so weit wie möglich runter. Und nun kommt der Trick oder sagen wir besser einmal die Vorkehrung, um sich keine Verletzung zuzuziehen: ich beuge mich nach vorne, atme tief aus und mit der nächsten Einatmung hebe ich den 2. Fuß mit beiden Händen in den Lotussitz. Dabei sollte ich keine stechenden Schmerzen in meinen Knien fühlen. Beim Auflösen der Asana ist es nun genauso wichtig einzuatmen bei der Beugung nach vorne und nun den Fuß langsam aus dieser Position wieder zu entlassen. Klingt alles ganz einfach, aber als normaler Mitteleuropäer habe ich von klein auf einfach eine andere Sitzhaltung gelernt und verinnerlicht. Puh!

Während Bharat-ji so neben mir sitzt bei der Erklärung sehe ich Narben an seinen Fußgelenken und frage ihn, ob das von seinem Leben als Lotussitzer kommt. Verlegen lächelt er und nickt.

Später erfahre ich, dass er einen schweren Unfall vor vielen Jahren hatte und ein kleiner LKW über seine Beine gerollt ist. Er stand dabei kurz vor einer Amputation eines Beines und lehnte diese ab. Unter sicherlich sehr vielen Schmerzen hat er sich beharrlich mit Yoga selber therapiert und erst danach später das Yogadhaama eröffnet.

Dies erklärt sicherlich auch seine ganz genaue Herangehensweise.

Abendeinkäufe
Verkäufer im Element
Mahlwerkshop
Mörser für das Mahlen von Mehl und Gewürzen
Mahlwerkshop am Abend
Tante Emma Laden um die Ecke
Abendstimmung auf der Straße
Meine kleine Nachbarschaft
Heilige Kühe in Indien
Abendeinkäufe

Teil 10

Dieser Samstag Morgen hatte es mal wieder so richtig in sich: 5:30 Uhr Ashtanga Yoga mit den angehenden Yoga Lehrern aus dem Oktoberkurs. Die Energie im Raum ist spürbar aufgeladen und so lässt sich mein Körper auch zu den unmöglichsten Sachen verleiten. Was man nicht alles mit einem perfekt aufgewärmten Körper und der richtigen Einstimmung schafft.

Völlig energetsich aufgeladen, mache ich mich an diesem Morgen nach dem Frühstück auf zu Devaraj Market im alten Teil von Mysore auf. Dieser Markt ist einer der Hauptbesucherattraktionen in der Stadt und das bunte Treiben ist so schön anzusehen.

Unglaublich mit wieviel Inbrunst sich Gemüse akkurat auftürmen lässt. Was mir besonders an diesem Markt gefällt, dass die Menschen hier in keinster Art und Weise versuchen die Dinge an den Mann oder in meinem Fall an die Frau zu bringen. Macht ja auch irgendwie keinen Sinn, mir als Tourist Kräuter oder sonstige verderbliche Waren andrehen zu wollen.

Nachdem ich alle Ecken des Marktes unter die Lupe genommen habe, entdecke ich plötzlich jede Menge Warenträger, die in diesem Fall mit einem riesigen Korb voller Bananen auf dem Kopf bewaffnet, sich ihren Weg durch den Markt bahnen. Das hat meine Neugierde nun natürlich so richtig gepackt und nun will ich wissen, woher sie kommen. Ich folge den Bananenträgern und schwups finde ich mich inmitten einer Bananenauktion wieder.

Da war es nun auch passiert! Ich kann mich nicht zurückhalten und bin im Fotorausch und nun sind die Bananenhändlern auf mich aufmerksam geworden. Ich lächele freundlich und frage: „Are you having a banana auction?“ Aufgeregt wackeln sie kurz mit dem Kopf und das bedeutet in Indien: Ja! Nachdem sie mir ihr Einverständnis zum Fotografieren andeuten, spielen sie die Rolle natürlich auch perfekt mit. Der große Boss ist schwer begeistert nun so viel  Aufmerksamkeit zu bekommen und souverän lächelt er mir in die Kamera. Das hat der ganzen Truppe sichtlich Spaß gemacht und als ich mich nach den aktuellen Bananenpreisen erkundige, bekomme ich fast eine ganze Abhandlung wo, wann und wie die Preise warum auch immer unterschiedlich sein müssen.

Zu guter letzt spricht mich einer der Mitarbeiter vom Großhändler an und fragt, ob er denn auch die Bilder bekommen kann. Gesagt, getan und schon sind die Emailadressen ausgetauscht.

Noch völlig im Bananenrausch verlasse ich Devaraj Market und laufe noch ein wenig durch die wusselige Innenstadt, bis es mir mal wieder bei zuviel Hitze und Menschentreiben reicht und ich in eine Rikschaw springe. Schnell schaue ich noch mal bei einem Intreff für Yogis vorbei, dem sogenannten Kushi Cafe. Kushi heißt übersetzt happy, glücklich und das Cafe macht mich alles andere als glücklich, denn hier sind eindeutig zu viele westliche Yogis unterwegs, die irgendwie eine Spezie für sich sind.

Am nächsten Morgen ist Yoga freie Zeit, denn es ist mal wieder Sonntag. Irgendwie fliegt die Zeit, denn nun sind schon 3 Wochen rum.

Da ich nun schon ganz automatisch früh wach werde, ist es überhaupt kein Problem, die Morgensonne am Kukkarahalli See bei einem schönen Morgenspaziergang zu genießen.

Und dann ist es endlich mal wieder soweit. Henna muss auf meinen Schädel und meine Haare wollen dafür soviel Zeit wie eben möglich haben. Ich habe mir im Beauty Parlour einen Termin gemacht, denn Henna möchte über Nacht vorbereitet werden.

Punkt 10 schlage ich typisch deutsch auf und es kann dann tatsächlich auch sofort losgehen. Mein kühlendes Henna wird mir Strähne für Strähne auf den Kopf aufgetragen und seelisch moralisch mache ich mich schon mal auf die nächsten 5 Stunden in diesem einfachen Beauty Parlour gefasst. Ich habe mir genügend zu lesen und zu schreiben mitgebracht, so dass für den perfekten Zeitvertreib gesorgt ist.

Irgendwann habe ich es geschafft und nun kommt die Challenge. Shalou, meine Hennabeauftragte teilt mir mit, dass es leider kein fließend Wasser gibt. Nun, das kann ja heiter werden, denke ich so. Doch hier kommt die unglaubliche Kreativität von Indern zum Zuge. Auch wenn es vielleicht nicht immer perfekt ist, so gibt es immer eine Lösung, um ein Problem zu lösen.

Neben dem Frisörspülbecken ist ein großer Eimer mit Wasser vorbereitet. Shalou schaut ihre Assistentin an und sagt ihr irgendetwas für mich nicht verständliches. Dann kommt die kleine Assistentin mit einem Kessel an und scheint schon heißes Wasser vorbereitet zu haben. Nun wird dem kalten Wasser etwas Wärme eingehaucht und komme aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Ich mache es mir in meinem Sessel vor dem Becken gemütlich, lege meine Kopf entspannt nach hinten und nun machen sich die beiden Mädels darüber her, mein Henna vom Kopf zu waschen. Das muss man sich so vorstellen, ein junges Mädel schöpft immer wieder etwas Wasser aus dem großen Eimer und spielt quasi Wasserhahn, während Shalou ihr Bestes gibt, um das Henna von meinem Kopf zu waschen.

Nun, es hat ein wenig länger gedauert, aber das Resultat ist ein gewaschenes Haupt und was will ich mehr?

Nach all dem Prozedere möchte ich den Trockenprozeß etwas abkürzen und frage, ob ich denn nun ein wenig selber fönen darf. Etwas pikiert steht Shalou neben mir und ich merke, ich scheine sie in ihrer Ehre gekränkt zu haben. Den feinen Schliff zum Rundfönen überlasse ich ihr und dann habe ich es endlich geschafft.

Als ich nach fast 6 Stunden den Laden verlasse, stehe ich mit einem breiten Grinsen auf der Straße und bekomme mich immer noch gar nicht über das heute Erlebte ein.

Noch ein kleiner Abstecher zu einem netten vegetarischen Restaurant in der Nähe und dann ist mein Yogafreier Tag auch schon wieder zu Ende.

Devaraja Markt

Teil 11

Für den Mittwoch habe ich zwischen meiner Vormittags- und Nachmittagsstunde ein erneutes Revival auf meinem Programm. Vor vielen Jahren war ich bereits mal im Zoo von Mysore gewesen und nachdem mir ein Rikschawfahrer erzählt hat, dass der ganze Zoo verlegt und komplett neu gemacht wurde, will ich es wissen.

Als ich mit meinem Rikschawfahrer vor dem Gate am Morgen stehe, traue ich meinen Augen mal wieder nicht. An einem ganz normalen Mittwoch Morgen haben sich Unmengen von Besuchern bereits vor dem Eingang versammelt.

Ich gehe zu Ticketcounter und werde mal wieder 200 INR erleichert. 100 INR für ausländische Erwachsene und fröhliche 100 INR für meine Kamera. Da sag ich nur: Inder sind geschäftstüchtig!

Entlang der Strecke im Zoo finde ich immer wieder den netten Hinweis, dass man den Tieren ruhig gegenüber treten soll, dass der Zoo Plastik frei ist und bei den gefährlichen Tieren der Selfie Stab verboten ist. Nun, entweder ist Lesen keine Stärke in der indischen Gesellschaft – das glaube ich aber nicht, oder das Wissen, bei zu vielen Menschen lässt sich halt eben nicht immer alles kontrollieren. Ich glaube, das ist der zutrefffende Grund für die Ignoranz der Besucher.

Während ich  so mich langsam durch den Zoo treiben lasse, stelle ich fest, ich bin wohl älter geworden bin. Vor 18 Jahren bin ich gefühlt von jedem zweiten indischen Besucher angesprochen worden, ob ich mich für ein gemeinsames Foto zur Verfügung stelle. Das hat bei mir damals großes Lacheln ausgelöst und da nicht alles sofort in diverse Social Media Kanäle gefüttert wurde, stand ich dem noch ganz offen gegenüber. Während meines diesjährigen Besuches wurde ich ein einziges Mal gefragt und das war auch gut so.

Als ich zum Elefantengehege kam, konnte ich nicht nur indische, sondern auch afrikanische Elefanten bestaunen. Dabei machte ich eine erstaunliche Entdeckung: Indische Elefanten sind deutlich fortpflanzungsfreudiger als die afrikanischen Kollegen. Ein Bulle erledigte erst einmal ein substantielles großes Geschäft und fühlte sich dann scheinbar so erleichert, dass eine Elefantenkuh her musste. Das Bild was sich mir dabei bot, war nahezu zärtlich und ich hatte die winzig kleine Hoffnung nun auch noch DEN Moment miterleben zu dürfen. Während die ältere Elefantenkuh sich genüsslich mit frischem Gras vergnügte, drückte sich der Bulle langsam an die Elefatenkuh und stupste sie erst leicht an und schubbelte dann ganz sanft seinen Rüssel über ihren Rücken. Dabei war natürlich die ganze Herrlichkeit des Bullen in voller Länge ausgefahren und das war schon ziemlich imponieren – soviel Ehrlichkeit darf an dieser Stelle wohl mahl sein.

Doch die Kuh ließ sich nicht beirren und fand an ihrem Gras einfach mehr Gefallen.

Enttäuscht, aber nicht übergriffig zog sich der Bulle zurück und versuchte es noch mal bei einer jüngeren Elefantenkuh. Die kleinen elefantösen Zärtlichkeiten wurden sofort von der jungen Kuh erwidert, aber das war wohl ein zu leichtes Spiel für den Bullen, denn seine Gelüste schienen zu schwinden.

Als ich bei dem Reptilienhaus vorbeikam, hatte ich  diverse Erinnnerungen, die wachgerufen wurden. Viele giftige Schlange aus Südostasien  waren mir noch bestens bekannt aus meiner Zeit, die ich in Malaysia verbracht hatte.

Die Anconda, die im Mysore Zoo ihr Zuhause hat, hinterließ allerdings bei mir ein viel flaueres Gefühl und ich musste daran denken, als ich 2016 völlig gedankenlos im Amazonas schwimmen war und zwar in einer Ecke, die durchaus für Ancondas bekannt ist.

Nachdem ich dann den Pelikanen, Krokodilen und Giraffen noch einen kurzen Besuch abgestattet habe, ist mein Bedarf an wilden Tieren gedeckt und trete gemütlich den Rückweg an.

Wieder einmal schaffe ich es in dieser Woche vor dem großen Regen pünktlich zum Yogadhaama zurückzukommen.

Giraffe im Zoo von Mysore
Giraffe im Zoo von Mysore
Leopard im Zoo von Mysore
Leopard im Zoo von Mysore
Löwe im Zoo von Mysore
Büffel im Zoo von Mysore
Freigänger im Zoo von Mysore
Nashörner im Zoo von Mysore
indischer Wolf im Zoo von Mysore
Zebras im Zoo von Mysore
Bär im Zoo von Mysore
indische Elefanten im Zoo von Mysore
Was will dieser Elefantenbulle von der Elefantenkuh?
... aber sie will nicht ...
Hunger geht vor
dann muss halt die Jüngere ran
Afrikanischer Elefant im Zoo von Mysore
Afrikanischer Elefant im Zoo von Mysore
Afrikanischer Elefant im Zoo von Mysore
Afrikanischer Elefant im Zoo von Mysore
Irgendetwas juckt ...
Vielleicht geht es auch so ...
.... oder so
Freigänger greift zu
Zoobesucher
Nashorn im Zoo von Mysore
Nashorn im Zoo von Mysore
Nashorn im Zoo von Mysore
Flußpferd im Zoo von Mysore
Pelikane warten auf die Fische
Krokodil im Zoo von Mysore
Krokodil im Zoo von Mysore
Krokodil im Zoo von Mysore
Büffel im Zoo von Mysore
Giraffe im Zoo von Mysore
Giraffe im Zoo von Mysore

Teil 12

Den Rest der Woche drehe ich auf meiner Yogamatte noch einmal richtig auf. Ich will es wissen.

Für den Sonntag ist dieses Mal zum Ende des TTCs etwas ganz besonders angesagt und so wird – wie ich erfahre – jedes TTC beendet. Die magische Zahl 108 wird umgesetzt in 108 Surya Namaskars, Sonnengrüße. Für Nicht-Yogis, hier handelt es sich einen bestimmten Ablauf, um den ganzen Körper einmal komplett aufzuwärmen. Für diese 108 Surya Namaskars haben wir 80 Minuten Zeit und anschließend gibt es noch 10 Minuten Tiefenmeditation, um den Körper wieder runterzuholen.

Was hat es mit der Zahl 108 auf sich? Nun diese Zahl taucht immer wieder in der indischen Mythologie auf. Das findet sich in verschiedenen Aspekten wieder. Mathematisch, astronomisch, aber eben auch hinduistisch gibt es dafür interessante Erkenntnisse. Das nun hier alles zu erklären, führt einfach zu weit und ist ja auch in Wikipedia & Co prima für Interessierte herauszufinden.

Eine Interessante Komponente möchte ich hier aber erwähnen: Der wahrscheinlich positivste Gott im Hinduismus ist Ganpati oder auch Ganesh, der Elefantengott, genannt. Dieser Gott hat nicht nur 108 Namen oder auch Reinkarnationen. So hat er eine so gute Bedeutung, das Inder alles was mit einem guten Segen beginnen soll, auch mit einem Gebet zu Ganesh beginnt.

Sollte man also von einem indischen Gast einen Ganesha geschenkt bekommen, ist das eine ganz besonders nette und gut meinende Geste.

Und so haben Malas, die Gebetsketten, auch 108 Perlen, die man betet.

Doch nun genug des Mystischen.

Als ich an diesem Sonntag Morgen in dem voll besetzten Yogashala auf meiner Matte bin, kann ich die Energie im Raum regelrecht spüren.

Auch für Bharat-ji scheint dies ein besonderes Ereignis zu sein, mit dem auch jedes TTC (Teacher Training) abgeschlossen wird. Seine Stimme ist an diesem Tag noch einmal eine Spur intensiver, die Konzentration auf 100% gefahren und als er beginnt die 108 Surya Namaskars zu zelebrieren, ist auch bei allen Yogis der Fokus voll auf der Matte.

Die besondere Herausforderung ist es den Wechsel zwischen rechts und links nicht zu vermasseln. Es gibt nämlich 2 Momente, in denen man abwechselnd pro Sonnengruß einmal den rechten und einmal nur den linken Fuß zuerst setzt. So kann es bei einem solch langen Ablauf ab schon mal zu dem einen oder anderen Moment des Nachdenkens kommen.

Auch wenn einleitend der Hinweis kam, dass man pausieren kann, wenn man eine Verschnaufpause braucht, so gibt sich so gut wie keiner die Schmach.Als wir den letzten Sonnengruß gemacht haben, stelle ich fest, dass ich eher energetisch aufgeladen bin, als dass ich mich ermüdet fühle.

Nun begehe ich allerdings in meinem Übermut einen fatalen Fehler. Ich bleibe auf der Matte und will im Anschluß noch einmal 1 ½ Stunden Ashtanga Vinyasa machen. Während dieser Stunde merke ich, dass dies keine gute Idee ist. Ich beginne mich durch die Stunde zu quälen, aber ziehe sie mit einem deutlich eingeschränkten Energielevel durch.

Genau das rächt sich für mich in den nächsten Tagen.

An diesem Diwalitag ist abends die feierliche Übergabe der Zertifikate. Die Lobby ist festlich mit vielen Lichtern – wie sich das für Diwali gehört – geschmückt. Die Teilnehmer sind angehalten, sich indisch, festlich zu kleiden und so nimmt der Abend seinen Lauf bei gutem Essen und vielen Gesprächen.

Mir geht es an diesem Abend aber schon gar nicht mehr gut und mein Rücken meldet sich nun zu Wort. Er schreit ganz laut: Mach endlich mal eine Pause!

Genau das tue ich nun in den kommenden Tagen auch, denn mein TTC im November möchte ich fit und völlig energetisch erleben.

Das heisst nun natürlich auch erst einmal, den Laptop beiseite legen und die digitale Detoxing Phase beginnen lassen.

So ist nun erst einmal an dieser Stelle nicht mit weiteren Ausführungen zu rechnen, aber es wird der Moment kommen, wo ich mich zurückmelde.

Habt erst einmal ganz lieben Dank für Euer Mitreisen.

 

Eure Barbara

MEIN GANZ BESONDERER HELD – CHAITENYA

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Karola Kopshoff
    14/10/2019 21:58

    Meine Liebe,
    DANKE ! habe eben nochmal gelesen und wie gesagt kommen immer wieder Erinnerungen. Wenn ich lese höre ich – ebenfalls schon gesagt – Deine Stimme, die mir erzählt und DANN, erwische ich mich dabei, dass ich hier sitze und laut JA GENAU ! sage und und sehr viel lachen muss.
    Und es kommt immer wieder ein .. “weißt Du noch” .. ich glaube Du hast damals den Sicherheitsmann vor dem Palast mit einem Kuli “bestochen” um fotografieren zu können.. damals war das noch möglich .. sehe dabei auch noch die Bilder aus den “Back Waters” vor mir .. Kulis waren damals eine “echte Währung” oder sehe ich das falsch?!?
    Auch kommen Bilder aus den Nilgi – Bergen, der Zugfahrt, diversen Busfahrten und “Unserem” Restaurant in Trivandrum – hoffe richtig geschrieben – immer wieder…
    Ich werde auch nie diesen Abend im Restaurant in Mysore auf der Dachterrasse vergessen .. dieses Zweibelgericht war doch einfach nur zu gut ! – ich meine mich zu erinnern, dass wir spontan noch eine zweite Portion bestellt haben…
    DANKE Dir auch für das Bild zum “All India Institute of Speech and Hearing”.. als ich es heute sah .. ebenfalls kamen Erinnerungen…
    Im Verlauf meines Studiums Anfang der 1990iger hatte ich in meiner Fachzeitschrift für Logopädie einen Bericht über ein Auslandssemester einer Kollegin in Indien gelesen. Ich weiß nicht mehr genau ob es Mysore war- es war aber auf jeden Fall im Süden. Gemeinsam mit einer Kommilitonin hatte ich damals versucht Kontakt mit Indien aufzunehmen, da wir beide SEHR großes Interesse hatten dort eine Zeit zu verbringen. Leider ist es im Sande verlaufen, auch sicher war mein Englisch zu schlecht, gleichfalls hatte ich noch wenig Erfahrung und wusste nicht was zu tun ist. …

    Ich wünsche Dir von Herzen weiterhin eine sehr gute Zeit – Dein Foto spricht Bände – Beeindruckend! – und Du weißt sicher wie ich das meine.

    Mit vielen Lieben Grüßen und einer herzlichen Umarmung Deine Karola

    Antworten
  • Bianka Jensen
    16/11/2019 13:15

    Ich habe deine Berichte verschlungen so spannend wie du sie geschrieben hast! Sehr beeindruckend! Wünsche dir noch super gute Momente auf deiner Reise! Liebe Grüße Bianka

    Antworten
    • Prinz Barbara
      08/12/2019 12:42

      Liebe Bianka, vielen Dank für diesen netten und warmen Kommentar. Lieben Gruss Barbara

      Antworten

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