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Transatlantik Seereise – auf den Fußspuren von Columbus und zurück zu den Wikingern

Eine definitiv entspannte Reise Über den Atlantik Richtung America ist eine Seereise, wenn man die Zeit dafür hat oder sie sich einfach nimmt. Eine echt gute Möglichkeit, spannende Destinationen, ein meistens weniger ausgelastetes Schiff zu erleben, ist die sogenannte Repositioning Tour mit einem Kreuzfahrtschiff. Im Herbst werden europäische Schiffe in die Karibik verlegt. Dort verbringen sie für entspannte Karibiktouren die Wintermonate bevor sie die Reise nach Europa im Frühjahr zurück antreten.

So ging es für uns bei ruhigem, sonnig zurückhaltend, schönen November Wetter los von Flensburg nach Hamburg. 

Den Nachmittag verbringen im „Café Fieber“ in der Hafencity. Hier gibt es ein  paar tolle Röstereien.Abends entdecken wir ganz in der Nähe von den Falkenrieder Terrassen tolle kleine Gässchen und ein nettes italienisches Restaurant, „Eatilery“. Wir machen schon mal die Probe auf’s Exempel, denn der Start für die Seereise wird in Genua sein. Am anderen Morgen geht’s mit dem Flieger über die Alpen. Immer der Sonne entgegen! Landung in Malpensa und Fahrt durch Ligurien nach Genua mit dem Mietwagen und 200 KM später sind wir schon am Mittelmeer. Kurz Einschecken im Hotel und ab in die Stadt.

Das Hotel liegt ganz in der Nähe des Kreuzfahrtterminals, von wo wir unsere Reise antreten. Es ist eine gute Entscheidung, einen Tag vorher angereist zu sein.

Schnell wollen wir das Auto abgeben. Auf dem Weg zum Autovermieter erschließt sich uns Genua noch nicht in seiner vollen Schönheit.

Natürlich haben wir nicht daran gedacht, dass auch die Italiener eine Mittagspause etwas ausgedehnter nutzen und ihr Büro in dieser Zeit abschließen. So stehen wir vorschlossener Tür und landen erst einmal in einer kleinen, typisch italienischen Eckcafeteria. Wir werden nett aufgenommen und das erste „echt-italienische“ Café Erlebnis fühlt sich gut an.

Ab jetzt tauchen wir voll in Genua ein und sind wahnsinnig angetan von dieser Stadt, die so viel Geschichte, unglaubliche Palazzi und eine atemberaubende Altstadt zu bieten hat. Schmale Gassen, reich verzierte Kirchen, viele kleine Läden, tolle Piazzas, Arkaden und tolle Menschen geben der Stadt eine Authentizität, die genau das richtige Maß hat, um einfach nur echt und nicht touristisch zu sein.

Am Abend landen wir in in einer Trattoria, die das Zeug für mindestens ein ganzes Buch hat. Der Patrone hat die Klasse eines stilsicheren Italieners, der Koch das Temperament einer Penne al arrabiata, scharf und mit Wumps und die Bedienung, eine nette, blonde, junge Italienerin mit unglaublich viel Charme und Witz. Die „Trattoria le Maschere“ hat sich gleich ihren Platz in unser Herz gezaubert und hier wissen wir mal wieder was italienische Lebensfreude ausmacht und wenn Liebe durch den Magen geht, hat der Koch hier ganze Arbeit geleistet.

Am nächsten Morgen machen wir nach verschiedenen Cafés (Latte macchiato, Espresso, Orzo, Ginseng) einen kleinen Gang rund um den Porto Antico: Was für Yachten und wie beeindruckend sich Genua als Kulisse anbietet bei einer wilden Wolkenformation und einer steifen Brise.

Am frühen Nachmittag ist es dann so weit: Wir gehen an Bord.

Der erste Eindruck auf dem Schiff: gute Größe, relativ nüchtern eingerichtet und eine nette bunt gemixte Crew. Schnell stellen wir fest, dass es überdurchschnittlich viele Crewmitglieder aus Südamerika gibt und der Vorgeschmack auf Kuba ist damit schon an Bord. Hintergrund ist, dass die Crewmitglieder so auch nah ihrer Heimat wieder ausgeschifft werden können nach manchmal monatelangen Verträgen auf See. Die Vorfreude dieser Crewmitglieder ist deutlich auszumachen und ein buntes Kuba mit vielen Ethnien ebenso.

Das Dinner am ersten Abend beginnt wie erwartet: Wir finden uns wieder in der Gesellschaft von ausschließlich Deutschen am Tisch. Ein älteres Ehepaar aus Augsburg ist bereits am Tisch als wir ins Restaurant kommen. Wenig später als wir Platz genommen haben, kommen zwei Männer um die Mitte 40 dazu und beginnen sofort die Tischgesellschaft komplett mit ihren Gesprächen an sich zu ziehen ohne auch nur den geringsten Austausch zu zulassen. Was für eine Erfahrung! Nach nur einem Dinner mit diesen beiden Männern, die sich schon aus ihrer Schulzeit kennen, ist auch uns klar, warum beide immer noch als Single im Leben unterwegs sind.

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, haben einen tollen 2er Tisch am Fenster und genießen ein tolles Frühstück bevor wir von Bord gehen und uns mit dem Shuttlebus ins Zentrum von Marseille fahren lassen. Wir steigen am Vieux Port aus, ganz in der Nähe von der Börse. Wir laufen Richtung Hôtel de Ville, dem Rathaus, und können die Cathédrale de La Major zwischen den Häuserschluchten ausmachen und werden magisch von ihr angezogen. Was für ein Statement von kirchlicher Macht! Hier muss man sich klein fühlen. Sicherlich ist es genau das, was solche Gebäude ausdrücken wollten.

Durch die kleinen Gassen rund das Evêché, das Bistum, gibt es kleine Galerien und immer wieder Seifenlädchen à la Marseillaise.

Vorbei am Hôtel de Ville, dem Rathaus, eröffnet sich uns der Blick über der Port Vieux, den alten Hafen, und auf die Kathedrale von Marseille. Hier in diesem Viertel sehen wir viele Grafittis an den Wänden, die auch Schlüsse zulassen, wie der soziale Sprengstoff in dieser Stadt aussieht. Es ist jedoch auch schön, die Kreativität in diesen Wandmalereien zu sehen.

Auf dem Weg auf die andere Seite des Vieux Ports kommen wir am Quai de la Fraternité vorbei. Diesem Platz wurde ein spannendes Dach mit einer verspiegelten Unterseite gegeben und der Effekt ist umwerfend und verleiht dem Platz doppelte Größe.

Gleich neben dem Théâtre de la Criée sehen wir im Café des Arts einen Hinweis auf ein Austern-Special und können einfach nicht widerstehen: 6 Austern und ein Glas Weißwein für nur 9,50 €!

Ein wenig später noch einen Café au lait mit Blick auf die Notre Dame de la Garde und dann müssen wir zurück zum Schiff.

Auch in Marseille haben sich wieder diverse Cruise Liner eingereiht: MSC Magnifica, Celebrity Eclipse, Costa Diaderma, Regent Voyager of the Seas und MSC Opera. Mit ein wenig Feingefühl für die Umwelt kommen uns massiv Zweifel, ob diese Form des Transportes wirklich zu unterstützen ist. Natürlich ist es auch schön, so viele tolle Destinationen schnell mal zu besuchen, aber Kleinstädte, die plötzlich in Städte einfallen wirken doch ein wenig bedenklich.

An diesem Abend sind wir nach einer überraschend spannenden Showeinlage eines mehrsprachigen Bauchredners gut eingestimmt.

Für den zweiten Abend an Bord haben wir uns einen 2er Tisch geben lassen. An diesem Abend genießen wir es, den Tag in Ruhe Revue passieren zu lassen.

Die ersten Tage an Bord bieten für jeden Tag eine neue Destination und so erwartet uns Valencia als nächste Stadt. Auch wenn sich der Tag morgens grau und wenig freundlich zeigt und in der Altstadt leichter Nieselregen nicht den besten Eindruck von der Stadt verbreitet, so sind wir dennoch mehr als begeistert. Über das trockengelegte Flussbett treten wir über eine Brücke in die Altstadt ein und finden uns bald an der Kathedrale wieder. 8 € nur für den Besuch einer Kirche finden wir zwar etwas fragwürdig, besonders bei dem Reichtum, den dieses Gotteshaus ausstrahlt, aber die beeindruckende Schönheit ist trotzdem überwältigend. Valencia strahlt alte Wirtschaftskraft und unglaublichen Reichtum aus.

Die Altstadt ist gepflastert mit rötlichem Granit, der im trockenem Zustand sehr hübsch ist, aber sich bei Regen für Ledersohlen zu einer echten Rutschbahn entpuppt. Der klassische Stil der Häuser, unglaubliche gepflegte kleine Gassen, tolle Tapasbars und Cafés und das mondäne Flair ziehen uns bei dem Besuch dieser Stadt in ihren Bann. Der alte Zentralbahnhof gleich neben der Stierkampfarena und die zentralen Plätze erinnern mich schnell an Buenos Aires. Nur ist hier alles top gepflegt und nicht so verrottet wie in Südamerika, aber es ist klar, woher die Architekten von südamerikanischen Metropolen kamen.

Der alte Palacio gegenüber der Markthalle aus dem 15. Jahrhundert steht für profane Gotik hat einen typisch arabisch angelegten Innenhof, der Symmetrie, Schatten und Ruhe bietet. Die gotischen Decken der Gewölbe und die mehrdimensional wirkenden Steinböden ziehen den Betrachter im ihren Bann.

Nachdem wir das alte Valencia in diversen Gassen, Boulevards und Monumenten aufgesogen haben, laufen wir während der Siesta durch die neueren Viertel der Stadt in die sonnige Zeit des Tages. Unser Ziel ist das Wissenschaftszentrum mit den ikonischen Gebäuden von dem Startarchitekten Santiago Calatrava, der sich hier vor 20 Jahren bereits verewigen durfte. Wasserspiegelungen, sich wiederholende Muster, runde Formen kombiniert mit klaren Linien, viel Weiß und türkise Wasserbassins ziehen mich komplett in ihren Bann und ich finde immer neue Perspektiven, die fotografieren möchte, das Spiel mit Tiefenschärfe nimmt hier langsam Fahrt auf und ich bin regelrecht geflasht von den den dramatischen Lichtspielen an diesem Spätnachmittag.

Nach einem kurzen Besuch des „El Corte Inglés“ kehren wir noch in eine kleine nahegelegene Trattoria ein und genießen das klassische, spanische Leben bevor wir uns wieder zum Hafen aufmachen.

Dort nehmen wir noch einen letzten Drink an einer typischen Bar im Hafenterminal. Wir können den Tapas einfach nicht widerstehen und während wir an der Bar unseren Drink genießen, sind wir einfach nur glücklich das ganz normale spanische Leben hier in Formvollendung zu genießen. Hier wandern diverse Kaffeespezialitäten und sogenannte „copas“, Gläser mit Wein oder Bier gefüllt über den Tresen. Das Ganze zu Preisen, die in Deutschland schon lange Vergangenheit sind. Wir sind fassungslos, wie günstig die mediterranen Länder ein kulinarisches und somit auch soziales Leben darstellen.

Beseelt gehen wir zurück an Bord und lassen den Abend bei einem gemütlichen Abendessen ausklingen.

 

Das Wissenschaftszentrum mit den ikonischen Gebäuden von dem Startarchitekten Santiago Calatrava:

 

Nach Valencia erwartet uns ein Seetag. Bei sonnigem Wetter ist dieser Tag von Lesen und Sport dominiert. Am Nachmittag sitzen wir bei einem gemütlichen Kaffee in einer der Bars. Plötzlich wird das komplette Setting geändert: die Bar leert sich, die Getränkekarten werden abgeräumt und nach und nach erscheinen die Gäste in mehr oder weniger gelungenem Gala-Outfit. Wenig später wird der Cocktail zur Begrüßung der Offiziere gereicht, denn an diesem Abend findet die Vorstellung der Offiziere an Bord im Theater statt. Diese läuft mit italienischer Leichtigkeit im Theater. Der Cruise Director macht seine Ansagen fließend in 5 Sprachen und so werden der Reihe nach alle Offiziere vorgestellt.   Anschließend werden wir von dem „Schattenmann“ im Theater verzaubert, der mit seinen Händen Schattenspiele an die Wand projektiert, die den Zuschauer in die italienischen 60er Jahre zurückversetzt. Die Finger-/Handfertigkeit dieses Künstlers ist definitiv bemerkenswert.

Im Restaurant müssen wir ein wenig schmunzeln, denn wir können kaum glauben, dass Gäste auf einem 3 Sterne + Schiff sich so herausputzen. Wir halten es etwas entspannter und so hat Andreas seinen Smoking gar nicht erst mitgenommen, denn unsere Reise ist dafür einfach zu lang und vielseitig.

Den nächsten Tag starten wir bereits sehr früh, denn wir erreichen Málaga bereits um 7 Uhr und erleben das Anlanden in deinem Hafen, der Stadtnah ist und somit haben wir den Blick auf eine Stadtkulisse, die in warmes Morgenlicht getaucht ist und am Horizont von Bergen eingerahmt ist und nicht nur einen Stadtstrand, sondern auch eine Vielzahl spannender Gebäude aus den diversen Epochen zu bieten hat.

Kaum ist das Schiff von den Behörden freigegeben, machen wir uns auf den Weg. Über eine hübsche Mole laufen wir der Stadt entgegen. Der Leuchtturm am Anfang der Mole hat eine warme Ausstrahlung und der Weg zum Centre Pompidou ist gesäumt von diversen Restaurants und Boutiquen. Entlang der Stadtbucht hat Málaga eine moderne Gartenzone mit einem spannenden, lang gezogenem Schattendach à la Calatrava ganz in weiß. In dieser Promenade sind immer wieder Gartenzonen mit exotischen Bäumen integriert: Washingtonia Filifera, Acacia Cyanophylla, Parkinsonia Aculeata, Pittosporum Tobira, Laurus Nobilis um nur einige wenige zu nennen von den Bäumen, die hier ihren neuen Habitat gefunden haben.

Schnell haben wir auch hier den Weg zur Kathedrale gefunden, die auch hier ein echtes Statement ist. Die Altstadt von Málaga ist extrem gepflegt und scheint bis in den letzten Winkel modernisiert. Kleine Gassen, typisch, spanische Fassaden mit klassischen Fensterläden, kleine Plätze mit Kunstobjekten und Strassenkünstler, lebendige Cafés, Restaurants und Bars dominieren auch in Málaga das Straßenbild. Wir sind nach einem gemütlichen Spaziergang durch diese Stadt begeistert und verlassen am Nachmittag mit etwas Wehmut den letzten Ort auf europäischem Festland.

Einlaufen am frühen Morgen und ein Stadtspaziergang in Málaga bei angenehmen Temperaturen

 

Vor uns liegt ein weiterer Seetag bis wir Madeira erreichen.  Von diesem äußersten europäischen Posten treten wir die Reise über den Atlantik in Richtung Karibik an.

Es ist das vierte Mal, dass wir in Funchal auf Madeira anlanden und dieses Mal haben wir uns vorgenommen etwas mehr vom Hinterland zu erkunden.

Es ist früh morgens und das warme Morgenlicht legt sich über die bergige Ansicht von Funchal. Diese Hanglage von dem Hauptort der Insel ermöglicht so vielen Einwohnern eine unverbaubare, freie Sicht auf das Meer. Die Insel nimmt mit ihrem angenehmen Klima, der großen Anzahl exotischer Pflanzen und einer extrem gepflegten Umwelt jeden Besucher sofort mit auf einen Wohlfühlkurs und auch bei unserem vierten Besuch wird dieser Eindruck nur bestärkt.

Kaum haben wir das Schiff verlassen, machen wir uns auf den Weg zum Autovermieter, der sich ganz in der Nähe von dem alteingesessenen Luxushotel Reid ist. Die traumhafte Lage in den Klippen von Funchal in Richtung São Martinho ist geradezu unverschämt und wäre unsere Zeit nicht zu knapp bemessen, würden wir diesem 5 Sterne Hotel sicherlich wieder eine kurze Visite für einen Kaffee auf der Terrasse abstatten.

Kaum haben wir unser Auto übernommen, machen wir uns auf zum ersten Aussichtspunkt in Camara de Lobos. Eine gläserne, runde Plattform wurde in die Klippen gebaut und eröffnet dem Besucher, der absolut schwindelfrei seien sollte einen atemberaubenden Blick in die Tiefe und Richtung Funchal.

Wir fahren von hier aus noch ein Stück entlang der Küste. In Ribeira Brava nehmen wir Kurs auf São Vicente, ein kleiner Ort im Norden der Insel. Der Weg über die Insel eröffnet einen tollen Ausblick in die unglaublich grüne Insel. Wir lassen den Ortskern links liegen und werden magisch angezogen von dem rauen Meer, das sich mit voller Wucht gegen die nördliche Steinküste wirft.

Die Nordküste stellt sich uns als schroff, rauh und aufgewühlt vom Meer dar. Mittlerweile sind die Abschnitte mit Tunneln befahrbar gemacht und die alten Teilabschnitte sind immer wieder wegen Steinschlags gesperrt.

Am Miradouro do Véu da Noiva, einem Aussichtspunkt, haben wir noch einmal einen einen Rückblick auf São Vicente mit einem Wasserfall direkt aus den Bergen ins Meer und auf das kleine Örtchen Seixal mit seinen natürlichen Schwimmbecken in den Klippen. Wir schrauben uns in die engen, kleinen Gassen direkt hinunter ans Meer und finden hier eine nette kleine Seelounge mit Blick auf ein gewaltiges Meer inklusive, ein perfekter Galão (portugiesischer Milchkaffee) und einem braunem Labrador, der alle Gäste mit seinem ausgeprägten Charakter in seinen Bann zieht, sich seine Streicheleinheiten bei seinen Favoriten abholt, um es sich dann wieder auf seinen Lieblingsstuhl gemütlich zu machen.

Wir fahren die Küste weiter nach Porto Moniz und auch hier gibt es wieder natürliche Schwimmbecken in der Küste zu bewundern. Dieser Ort wurde touristisch etwas mehr ausgeschlachtet als Seixal, er hat aber seinen sympathischen Charakter noch lange nicht verloren.Wir fahren von hieraus Richtung Calheta quer über die Insel und schrauben uns schnell wieder auf über 1.500 Meter über dem Meeresspiegel. Immer wieder gibt es sogenannte Miradouros, die atemberaubenden Blicken in alle Himmelsrichtungen. Die Flora wird schnell etwas karger und kleinwüchsiger, aber dennoch bleibt alles sehr grün.

Als wir auf der Südseite wieder angekommen sind, merken wir, dass unsere Zeit langsam knapp wird und ohne längere Stops fahren wir Richtung Funchal.

Kaum haben wir das Auto zurückgegeben, laufen wir durch eine Jacaranda gesäumte Allee vorbei an dem Sitz des Gouverneurs von Madeira und durch einen wunderschön angelegten Garten Richtung Hafen.

Ein letztes Getränk in einem Café am Hafen, aus dem heraus wir einen tollen Blick auf die Queen Elisabeth von Cunard genießen. Was für eine Grandeza der See!

Gerade noch rechtzeitig kommen wir zurück an Bord und verlassen Madeira bei weichem Abendlicht. Unser Kapitän gibt bei dieser Ausfahrt wirklich alles und will sich für eine gute Überfahrt über den Atlantik scheinbar die guten Wünsche der Christo Statue am äußersten, südöstlichen Zipfel der Insel abholen. Wie in Rio de Janeiro ist auch diese Statue aus der Art Deco Epoche und soll den Seefahrern allseits gute Reise bescheren.

Madeira, die Blumeninsel mit zwei Gesichtern

Nun erwarten uns fast 6 Tage auf dem Atlantik. Die südliche Passage haben wir noch nie stürmisch erlebt und auch dieses Mal erleben wir den Atlantik ruhig, gelassen und gutmütig. Wohin das Auge reicht blaues Wasser und weit und breit kein einziges Schiff zu sehen. Die Temperatur steigt langsam aber sicher, Tag für Tag ein wenig mehr an und so auch die Luftfeuchtigkeit. Die Karibik langsam aber sicher fühlbar, die Laune der mitreisenden Passagiere gelassener und die Klänge der Bands an Bord stimmen sich mehr und mehr auf heiße Rhythmen ein.

Die Langsamkeit einer solchen Seereise macht die Distanz so sichtbar. Jede Nacht wird die Uhr um eine Stunde zurückgestellt und bei dem Blick auf das Meer stellt sich unglaubliche Entspannung ein. Das Fahrwasser des Schiffes wirbelt für kurze Zeit eine türkise Frische nach oben, die sich schon nur wenige hundert Meter hinter dem Schiff wieder in das allgegenwärtige Blau des Ozeans vermischt. Das Jetzt, das nur für kurze Zeit eine Spur hinterlässt, um in der gleichförmigen Schönheit von Meer und Horizont zu verschmelzen. Keine Irritationen von hereinkommenden Nachrichten, denn weder Internet noch Fernsehen dringen bis zum Schiff vor. Dies ist der ideale Ort, um ganz nah bei sich zu sein und in sich hinein zu spüren. Dabei schaukelt einen das Schiffganz sanft hin und her.

Fast sechs Tage auf See. Beinahe jede Nacht wird die Uhr eine Stunde zurück gestellt und das „Bespaßungskommitée“ gibt sich alle erdenkliche Mühe, um die Passagiere bei Laune zu halten. Tanzkurse, Tai Chi am Morgen, Spielchen an Bord, Spielchen am Abend, diverse  Musiker versuchen die Leute mit ihren Klängen auf die Tanzfläche zu locken und schaffen es tatsächlich eine nicht unerhebliche Fangemeinschaft von Tanzbären zu aktivieren. Dabei machen wir schnell ein paar Semiprofis unter den Tänzern aus.

Zum richtigen Überraschungsmoment werden die abendlichen Vorstellungen im Theater, die recht gutes Niveau haben und sehr abwechslungsreich sind von Pantomime über klassische Abende mit wirklich tollen Sängern, Akrobaten und Tänzer ist alles dabei. Selbst ein unglaublich kreativer „Quasi ModeDesigner“verzaubert mit wenigen Stoffbahnen und einigen Accessoires eine hübsche Kubanerin aus der Crew in diverse Outfits, die definitiv Haute Couture Niveau haben.

Unterhaltsam sind die Abende auf jeden Fall und dank der italienischen Leichtigkeit der Reederei ist die Stimmung auch alles andere als steif. Hier zahlt es sich für uns definitiv aus, auf einem nicht rein deutschen Schiff unterwegs zu sein.

Die Tage sind gefüllt mit lesen, Sport soweit möglich und hier und da netten Gesprächen. Kein Internet, kein Fernsehen und genügend Zeit sich um die wesentlichen Dinge zum kümmern.

Nach 6 Tagen sind wir glücklich endlich wieder Land zu sehen und ins normale Leben abtauchen zu können an Land.

Wir haben die Karibik erreicht und der erste Stop auf den kleinen Antillen in der Karibik ist Philipsburg auf St. Maarten. Diese Insel ist halb niederländisch und halb französisch verwaltet. Philipsburg überrascht uns nicht nur mit 4 weiteren Cruiselinern, die bereits im Hafen liegen, sondern auch mit dem Turbotourismus, der nach Hurricane Irma in 2017 immer noch eingeschränkt ist, aber langsam wohl zur alten Form wieder aufläuft. Dabei fällt einfach auf wie arm die Karibik und ihre Bevölkerung ist. Hierzu wollen die enorm hohen Preise, die Touristen für alles käufliche zu zahlen haben irgendwie einfach nicht passen.

Kaum geht die Sonne hier gegen 18.00 Uhr unter, ist das Örtchen auch schon fast wie ausgestorben. Auch wenn wir an diesem Abend noch gemütlich an Land seien könnten, denn wir verlassen St. Maarten erst um 23.00 Uhr, ziehen wir es trotzdem vor, wieder an Bord zu gehen. Dort genießen wir entspannt unser Abendessen und lassen den Tag noch einmal Revue passieren.

Philipsburg auf St. Maarten und die sichtbaren Folgen von Hurrikan Irma

 

Schon am nächsten Tag erreichen wir morgens St. John auf Antigua.

Auch hier sind wir nicht das einzige Kreuzfahrtschiff. Die Norwegian Dawn liegt bereits im Hafen.

Kaum ein paar Meter auf der Insel ist es sehr offensichtlich, dass St. John nicht viel zu bieten hat und auch hier trifft uns die Armut sehr frontal. Die Kathedrale am Hang ist unser erster Anlaufpunkt und hier hören wir die abenteuerliche Geschichte von Termiten, die vor acht Jahren die Kirche regelrecht vom Boden her aufgefressen haben und im Inneren alles abgesackt ist. Nun ist die Gemeinde mühselig dabei, dieses Gotteshaus wieder in Stand zu setzen.

So sehr wir uns auch bemühen, diesem Ort ein nettes Eckchen abzugewinnen, so schwer tun wir uns. Gerade mal das touristische Redcliff ganz in der Nähe des Hafens versetzt uns ein wenig in karibisches Gefühl. Es ist das erste Mal, dass ich bewusst einfach nur die Armut in meinen Bildern zum Ausdruck bringen will.

Wir verlassen die kleinen Antillen am Nachmittag und kommen mal wieder zu der Erkenntnis, die Karibik ist definitiv ein schönes Segelrevier, aber darüber hinaus eindeutig überbewertet.

St. John auf Antigua, so viel Armut…

Nun liegen noch zwei Tage auf See vor uns, bis wir Havanna auf Kuba erreichen. Die Crew gibt Sicht wirklich alle erdenkliche Mühe, um die Laune der Gäste hoch zu halten. Die Abende werden noch einmal mit tollen Vorstellungen im Theater gefüllt, das Tanzparkett von vielen Passagieren mit allen südamerikanischen Tänzen getanzt und natürlich darf auch das Abschlussdinner mit der standardmäßigen Parade der Servicecrew nicht fehlen. Dabei werden die Servietten von den Gästen wohlwollend in der Luft herumgewirbelt, ein Klassiker auf jedem italienischen Schiff und einfach nur stimmungsvoll.

Dann endlich nach 16 Tagen erreichen wir Cuba. Bereits am Vorabend hatten wir kubanische Gewässer erreicht und sind die ganze Nacht entlang der nördlichen Küste entlang geschippert. Kuba hat eine Ausdehnung von 1.200 Kilometer und das lässt sich besonders auf dieser Seereise gut erfassen.

Am Morgen des 16. Tages gehen wir nach dem Frühstück auf Deck 9, bugseitig und haben einen tollen nach vorne. Nur wenige Passagiere haben diese Veranda auf der Reise entdeckt und so genießen wir beinahe einen exklusiven und besonderen Charme auf dieser Veranda bei der Einfahrt in den Hafen von Havanna. Eine hoch moderne Fregatte weißt uns dabei den korrekten in den Hafen zum Fährterminal Sierra Maestra San Francisco. Später stellen wir fest, dass es sich um einen Freundschaftsbesuch einer niederländischen Marine handelt, die gleich neben dem Fährterminal festmacht.

Kaum ist das Schiff frei gegeben, machen wir uns auf den Weg in die Altstadt. Schnell tauschen wir noch Euros am Fährterminal und dann kann es losgehen.

Havanna, ein Sehnsuchtsort mit unglaublich viel Charme

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